Im März und April 2026 trafen wir uns in den Räumlichkeiten der Credokirche, von St. Franziskus, vom Guten Hirten und der Ev. Hoffnungsgemeinde, um über das Buch Ester ins Gespräch zu kommen. Jeweils 20-40 Menschen folgten dem Angebot, versetzten sich in die Figuren des Buches hinein und tauschten sich über Themen wie (Ohn-)Macht und Schönheit aus. Immer wieder stellten die Teilnehmenden fest, wie (erschreckend) aktuell das Buch ist. Gerade, was gesellschaftliche und politische Themen wie Machtmissbrauch, Schönheitsideale und Antisemitismus angeht.

Ein Gesprächsabend regte den Maler Uwe Heybach aus Löhndorf dazu an, ein Bild zu malen. Dieses Bild und seine Gedanken dazu dürfen wir hier veröffentlichen. Vielen Dank dafür und für alle Begegnungen und Gespräche, die möglich waren.

Johanna Karcher

 

 

 

 

Gott

Künstler: Uwe Haybach

Ein Bild von Gott, ausgelöst durch das Buch „Esther“

 

In dem Buch Esther wurde Gott nicht erwähnt, er scheint nicht da zu sein.

Auch wenn er nicht von den Akteuren in dem Buch gesehen wird, kommuniziert er mit denen, die für eine Kommunikation offen sind, indem er sie von Zwängen befreit und Mut macht, Risiken einzugehen. Risiken, die lebensbedrohlich sind (Bekennung zum Glauben), wenn gegen gesellschaftliche Normen verstoßen wird oder korrupte ranghohe Amtsträger (Haman)angeklagt werden.

Er appelliert an das Gewissen, lässt Gedanken über Unterstützung und Hilfe von Bedürftigen aufkommen (die jüdischen Gläubigen). So bricht Esther z.B. mit den Palastregeln, sucht das Gespräch mit ihrem Mann, dem König und klagt den Mann an, der seine hohe Position rücksichtslos ausnutzt. Ihr ist bewusst, dass sie dafür bestraft werden kann; sie geht dieses Risiko ein, weil sie Kraft bekommt und für Gerechtigkeit einstehen will.

Der Glaube, dass dies gelingen wird und der richtige Weg ist, ist Gott. Das bedeutet für mich, dass Gottes Existenz der Glaube selbst ist. Er ist abstrakt, ich kann ihm keine Gestalt geben, kein Profil, keine Form. Er ist nicht schwarzweiß oder monochrom, er ist vielfältig, bunt – wie das Leben. Gott ist für mein Empfinden eine Sonne, die Licht in meine Gedanken und Gefühle bringt und damit mehr Klarheit im Leben. Der Glaube (und damit Gott selbst) ist das Wasser, das Leben erst ermöglicht.

Diese Eindrücke haben mich dazu bewegt, ein Bild zu malen, das diese Symbolik aufgreift: keine konkrete Form von Gott. Stattdessen Buchstaben, die das Wort „Gott“ ergeben oder sind es keine Buchstaben, sondern Formen? Ein Ring, der den Zusammenhalt einer Gemeinschaft symbolisiert und wie ein „O“ aussieht? Eine gebogene Leitung mit einem Wasserhahn, aus dem Lebenswasser tropft und wie ein „G“ erscheint? Kreuze in unterschiedlicher Größe oder vielleicht doch ein „T“? Mein Kunstlehrer hat mich dazu gebracht, abstrakt zu zeichnen, um damit Interpretationen zuzulassen.
Was ist wahr, was ist real? Wir sehen, was wir sehen wollen oder können. Wollen und können wir Gott sehen?

Mir hilft der Glaube an dieses abstrakte Wesen „Gott“ und an eine weitere Existenz nach der irdischen Existenz für mein Hier und Jetzt.

                                                                                                                                                                                                                              Uwe Haybach