Lade Veranstaltungen
Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

9. Februar 2021
Warum überhaupt Vanuatu?!

Nun aber mal eben Stop!

Warum sollen wir uns überhaupt für Vanuatu interessieren?
Woher kommt dieses Land – aus heiterem Himmel?

Das kommt vom ersten Freitag im März. Am ersten Freitag im März wird in über 150 Ländern auf der ganzen Welt ein Fest gefeiert, ein festlicher Gottesdienst: der Weltgebetstag. Jedes Jahr neu. Jedes Jahr anders. Jedes Jahr bunt, kreativ, klingend und solidarisch.
Früher hieß es „Weltgebetstag der Frauen“. Dann kamen ausschließlich Frauen in den Gottesdienst. Heute ist es ein Gottesdienst für alle, und es „trauen“ sich tatsächlich immer mehr Männer in den Gottesdienst.

Was aber immer noch so ist wie früher: Jedes Jahr wird der Ablauf des Weltgebetstags-Gottesdienstes von Frauen, Christinnen, eines bestimmten Landes vorbereitet. Jedes Jahr ist es ein anderes Land. Und manchmal eines, von dem man bis dahin gar wusste, dass es das überhaupt gibt!
Im letzten Jahr kam der Gottesdienst aus Simbabwe. 2019 aus Slowenien. Den Gottesdienst 2021 nun haben Frauen aus Vanuatu gestaltet. Und darum geht es hier um Vanuatu.

Ganz oben im Beitrag und an dieser Stelle sehen Sie das Logo des Weltgebettages. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Kreuz. Auf den zweiten Blick erkennt man, mit etwas Phantasie, vier Menschen, die beten und die durch einen Kreis verbunden sind. Damit erzählt das Logo mehrere Geschichten:

  • Am ersten Freitag im März geht ein Gebet um die ganze Welt. Überall auf der Welt sprechen Menschen dieselben Texte, jeweils in ihrer Sprache, hören auf dieselben Worte aus der Bibel, und sie hören den Frauen des Landes zu, die den Gottesdienst vorbereitet haben.
  • Die Menschen, die da zusammen Gottesdienst feiern, kommen aus verschiedenen Kirchen. Am Weltgebetstag wird darum auch immer die Ökumene gefeiert – die vor Ort und die weltweit. Für viele der christlichen Frauen Vanuatus war die Vorbereitung des Weltgebetstages übrigens die erste  große ökumenische Erfahrung. Nun wollen sie ökumenisch weitermachen!
  • Wenn die Menschen dann im Gottesdienst beten – für dieses bestimmte Land, für die Welt, für sich selbst –, dann tun sie das mit weitem Blick und weitem Herzen. Sie haben, meist auf Veranstaltungen vor dem Gottesdienst, etwas über das Gastgeberland erfahren, über das, was den Menschen in diesem Land Freude bereitet und was sie bedroht, ihnen Angst macht, worunter sie leiden. „Informiert beten“ ist darum eine wichtige Parole des Weltgebetstages.
  • Was man dem Logo vielleicht nicht so ansieht: Es soll am Weltgebetstag nicht beim Beten bleiben! Beten soll zum Handeln werden, genauso kreativ und solidarisch wie der ganze Gottesdienst. In diesem Sinne werden vom Weltgebetstag Projekte für Frauen, Kinder und Jugendliche und damit für eine ganze Gesellschaft gefördert, die Menschen Arbeit und Selbstbewusstsein geben, Bildung und Fertigkeiten vermitteln, ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Wenn Sie mehr über die Idee des Weltgebetstages wissen wollen, hier finden Sie es: „Die Idee des Weltgebetstages“.

Auf einer weltumspannenden Zoom-Konferenz, die eigentlich hätte anders stattfinden sollen, schenkten die Frauen Vanuatus den anderen Weltgebetstagsteams der Welt ein Lied.

Hier können Sie sich das Lied anhören: Lied aus Vanuatu

Foto: Das Weltgebetstags-Team von Vanuatu; Quelle: Katja Buck

 

8. Februar 2021
Die Geschichte Vanuatus

Heute geht es um die Geschichte von Vanuatu.
Darin kommen vor:
120 Sprachen,
ein legendärer Chief,
ein König, der Vanuatu gar nicht haben will,
Kaufleute, die Vanuatu sehr wohl haben wollen,
ein gemaltes Schiff,
Menschen, die fremd im eigenen Land sind,
schwarze US-Soldaten als Vorbild
und ein junger unabhängiger Staat.

Mit den 120 Sprachen geht es los. Vielmehr mit der Frage: Warum so viele Sprachen in dem einen Land? Weil wohl Menschen, die vor mehreren tausend Jahren begannen, die Inseln des heutigen Vanuatu zu besiedeln, ihre eigenen Sprachen mitbrachten. Die Einwanderer kamen wahrscheinlich von Melanesien, Polynesien und Papua-Neuguinea.
Auf den Inseln Vanuatus bildeten sich Clans, die von Chiefs geleitete wurden.
In alten Zeiten bekämpften sich die verschiedenen Clans aufs Bitterste.


Bis dann jener legendäre Chief auftrat. Die Legenden nennen ihn Roi Mata. Ein Bild, wie man sich ihn vorstellt, schmückt heute das Wappen Vanuatus. Chief Roi Mata schaffte es, so wird erzählt, die Inseln einigermaßen zu befrieden.

1606 beginnt eine neue Zeit für die Inseln von Vanuatu: Da betritt mit Pedro Fernández de Quirós der erste Europäer Vanuatu. Wie damals üblich, erklärte er kurzerhand die Inseln zum Eigentum Spaniens (denn in Spaniens Auftrag war er unterwegs). Aber Spaniens König hatte an Vanuatu überhaupt kein Interesse: Die Inseln lagen wahrscheinlich zu weit weg.

Doch das änderte sich ein Jahrhundert später: Da begann man, sich doch für jene weit entfernten Inseln zu interessieren. Zuerst landete 1768 der Franzose Louis Antoine de Bougainville auf Vanuatu und erforschte die Inseln. Ob er dort der nach ihm benannten Blume seinen Namen gab?

Ein paar Jahre später landete der englische Seefahrer James Cook auf Vanuatu, zeichnete Karten von den Inseln und nannte sie „Neue Hebriden“ (die „alten“ Hebriden liegen vor der Nordostküste Schottlands).
Im 19. Jahrhundert ließen sich dann mit der Haltung von Kolonialherren die ersten Europäer in Vanuatu nieder: Kaufleute und Plantagenbesitzer. Für sie war das Sandelholz interessant, das abgeholzt und verkauft werden konnte, und die Nähe zu Australien. Unter falschen Versprechungen, durch Erpressung oder mit Gewalt lotsten bzw. verschleppten sie Einwohner Vanuatus auf ihre Schiffe und brachten sie zu ihren Plantagen in Australien oder an anderen fremden Ufern. „Blackbirding“ nannte man das. Und von diesem „Blackbirding“ erzählte auch das Schiff, das Sie von gestern kennen.

Wer mehr darüber wissen will, kann sich einen kurzen Film anschauen: Film „Blackbirding“

Die Menschen auf den Plantagen waren eine bunt zusammengewürfelte Schar. Sie kamen zwar von Inseln, die irgendwie zusammengehörten, konnten sich aber nicht verständigen. Es waren bestimmt nicht alle des „Sanddroing“ kundig.
Eine gemeinsame Sprache musste her. Und so hörten sich die Menschen Vanuatus Worte von den Engländern ab und machten daraus ihre eigene Sprache: das „Bislama“.
Ein kleiner Sprachkurs gefällig? Dann klicken Sie hier.

Die Menschen von Vanuatu litten sehr. Da war ja nicht nur das „Blackbirding“, sondern darüber hinaus wurden durch die Europäer Krankheiten eingeschleppt, so dass die einheimische Bevölkerung sich in 100 Jahren von einer halben Millionen auf 40.000 Menschen verringerte.

1906 wurde offiziell, was vorher schon Tatsache gewesen war: Engländer und Franzosen übernahmen gemeinsam die Herrschaft über Vanuatu. Die Ureinwohner Vanuatus waren auf einmal staatenlos, das Rechts- und Bildungssystem und die Amtssprache waren, je nachdem, wo sie lebten, entweder englisch oder französisch.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Vanuatu blieb zwar von Kampfhandlungen verschont, Großbritannien und Frankreich nutzten aber die beiden Inseln Efate und Espiritu Santo als Militärbasen. In den Kriegsjahren 1942 bis 1945 übernahmen für kurze Zeit die USA die Herrschaft über Vanuatu. In dieser Zeit erlebten die Ureinwohner Vanuatus zweierlei: nicht nur, dass die US-Soldaten erfolgreich eine Infrastruktur aufbauten, wie Straßen, Flugplätze oder Wasserleitungen, und ihnen Arbeit gaben. Vor allem behandelten sie sie – im Gegensatz zu den Engländern und Franzosen – fair, einfach als Menschen. Besonders die schwarzen Soldaten wurden dafür von der indigenen Bevölkerung bewundert und geschätzt und dienten einige Zeit später als Vorbild: als sich in Vanuatu der Wunsch nach Unabhängigkeit bildete.
Auf einmal war der Gedanke im Kopf: Wir sind etwas wert. Wir dürfen genauso selbstbewusst sein wie die afroamerikanischen Soldaten. Wir können und wollen selbst über unser Land und unser Leben bestimmen.
In den 1960er Jahren bildeten sich auf den Inseln die ersten Widerstandsgruppen gegen die Kolonialmächte.

1974 wurde den Inseln eine begrenzte innere Selbstverwaltung zugestanden und ein Jahr später die ersten freien Wahlen abgehalten.
Am 30. Juli 1980 schließlich wurden die „Neuen Hebriden“ als parlamentarische Republik im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations unabhängig. Seither heißt das Land „Vanuatu“: Land, das aufsteht. Die Bewohner*innen Vanuatus nennen sich selbst „Ni-Vanuatu“.

Fotos: Wappen: Katja Buck; Bougainvillea: (Imagicity 264) Graham Crumb/CC BY-SA 3.0
Sprachkurs: WGT e.V.
Text: Wir danken Ursula Timmerscheidt für ihre Vorlage!

 

7. Februar 2021
Sandroing


Foto: Katja Buck

83 Inseln …

und noch viel mehr Sprachen!
Über 100 Sprachen gibt es in Vanuatu. Früher hatte jeder Stamm, jede Insel ihre eigene Sprache und eigene Traditionen. Und dazwischen lag ja fast immer der Ozean.

Dennoch fanden die Menschen eine Möglichkeit, sich zu verständigen: die Sandmalerei, das „sandroing“ (kein Schreibfehler).

Sandmalerei ist eine alte Kulturtechnik, die in den zentralen und nördlichen Inseln von Vanuatu vorkommt. Aber Sand-„Malerei“ ist eigentlich der falsche Ausdruck. Viele Einwohner Vanuatus nennen es „sandraeting“ (ebenfalls kein Schreibfehler), also „Sandschrift“.

Mit dieser sehr kunstvollen Sandschrift konnten die Menschen Botschaften am Strand hinterlassen, Mythen weitergeben oder Gedanken und Naturphänomene erläutern.

2007 erklärte die UNESCO die Sandmalerei von Vanuatu zu einem „Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“.

Hier können Sie beim Sandmalen zuschauen: Video „Sandroing“

Und was hat es mit dieser, für Menschen, die Englisch gelernt haben, kuriosen Schreibweise von „sandroing“ und „sandraeting“ auf sich? Nun, wenn man es ausspricht, wie es dort steht, dann versteht man schnell, was gemeint ist. Die beiden Worte stammen aus der Sprache „Bislama“. Bislama ist die Sprache, die heute von den meisten Menschen in Vanuatu gesprochen wird. Und dass sie sich fast wie Englisch liest und anhört, kommt nicht von ungefähr. Doch dazu gibt es erst morgen etwas.

Quelle: WGT 2021, Arbeitsheft: Informationen zu Land & Menschen

 

6. Februar 2021
Insel-Hopping

Foto: WGT e.V.

So sieht Vanuatu aus: wie ein Ypsilon aus 83 Inseln.
Im Querformat findet man dieses Ypsilon auch auf der Flagge von Vanuatu wieder.


Foto: Katja Buck

67 der Inseln sind (noch) bewohnt.
Warum „noch“? Dazu gibt es später etwas in unserem Countdown.
So, wie es heute ist, erstreckt sich Vanuatu von Norden nach Süden über 1.300 Kilometer.

Wenn Sie mehr über die Inseln erfahren und auch ein paar Bilder sehen wollen, dann klicken Sie hier: Insel-Hopping

Und ein ganz eigenes Insel-Hopping mit Klängen von Vanuatu gibt es hier: Video „Sounds of Vanuatu“

Text: Wir danken Andrea Weber für ihre Vorlage!

 

5. Februar 2021
Vanuatu – Wo liegt das denn?!

Vanuatu … Noch nie gehört?

Das ging mir genauso. Eine Ahnung davon, wo Vanuatu liegen könnte, bekam ich, ohne es zu wissen, Ende 2019. Da zerbrach ich mir den Kopf über dem Weihnachtsrätsel der Süddeutschen Zeitung. Mein Kopf rauchte, mehr als alle ausgeblasenen Kerzen zusammen.

Doch dann kam ich des Rätsels Lösung sehr nahe. Sie hatte zu tun mit den Inseln, die auf der ganzen Seite verteilt waren und die zu einer Inselgruppe mit neun Inseln gehörten, obwohl im Namen der Inselgruppe nur von acht Inseln die Rede war. Der Name dieser Inselgruppe ließ sich finden: Tuvalu, ganz klein, irgendwo im Pazifischen Ozean, in der „Nähe“ von Australien – was immer „Nähe“ in diesem riesigen Ozean auch bedeuten mag.

Als ich nun hörte, dass der nächste Weltgebetstag aus Vanuatu kommen würde, dachte ich sofort wieder an Tuvalu. „Vanuatu“, das hörte sich so an, als könne es in derselben Richtung liegen. Und tatsächlich. Die Fidschi-Inseln sind bekannter, aber da, genau zwischen den Fidschi-Inseln und Australien, da liegt eben Vanuatu (Tuvalu, nur falls es Sie interessiert, liegt nördlich der Fidschi-Inseln).
Jetzt wissen Sie, wohin wir uns aufmachen.

Fotos: privat