Lade Veranstaltungen
Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

24. Februar 2021
Das Wunder der Kokosnuss

 

Das wäre eine tolle Quiz-Frage:
Aus welchem Gewächs lassen sich folgende Dinge gewinnen oder herstellen:
Nahrungsmittel, Getränke, Viehfutter, Holz, Material für die Dachbedeckung, Kleidung, Kosmetik, Treibstoff, Gefäße, Kunsthandwerk, Schmuck, Arzneimittel …?
Nun, wenn Sie den Titel oben lesen, dann kennen Sie ja schon die Antwort: die Kokospalme.

Nächste Quiz-Frage: Wo liegt der Kokosgürtel? Nein, nicht in der mittleren Schublade. Sondern der Kokosgürtel ist derBereich auf der Erde, in dem Kokospalmen gedeihen. Dieser Bereich liegt rund um den Äquator, zwischen dem 15. südlichen und nördlichen Breitengrad. Es gab allerdings schon Kokosnüsse, die sich auf eine weite Reise raus aus dem Kokosgürtel gemacht haben und dann ganz woanders gelandet sind: Kokosnüsse können bis zu 100 Tagen auf Salzwasser dümpeln, weit weg an einen Strand gespült werden, und wenn es warm genug dort ist, keimen sie dort sogar.

Auch Vanuatu liegt im Kokosgürtel. Auf Aneityum, der südlichsten bewohnten Insel von Vanuatu, wurde sogar eine 7.000 Jahre alte Kokosschale gefunden!

Die Kokosnüsse oder vielmehr, die Kokospalmensind auf Vanuatu enorm wichtig. Wenn Sie mehr darüber erfahren und sich noch mehr über die Kokospalme und Kokosnuss wundern möchten:
Hier gibt’s Futter.

Video zur Kokosnuss als Drink

Video zu Schönem und Leckerem aus der Kokosnuss

Video zum „Gesicht“ der Kokosnuss

Fotos: Heiner Heine

 

 

23. Februar 2021
Vanuatu klagt an

Vanuatu belässt es aber nicht bei eigenen Anstrengungen. Denn sie wissen: Die Verursacher für das, was ihre Inseln und ihr Leben bedroht, die Verursacher dafür, dass bei ihnen die Welt untergeht, die leben ganz woanders. Die leben in den Industrieländern, in Amerika, in Europa, in Deutschland.
Und so hat Vanuatu einen Plan: die Industrieländer vor dem Internationalen Gerichtshof in den Haag anzuklagen. Die Corona-Pandemie hat das bisher verhindert. Doch der Plan steht.

Ein kurzes Video dazu gibt es hier: Vanuatu klagt an

Und noch mehr hören oder lesen können Sie hier: Die Industrieländer in die Pflicht nehmen

 

22. Februar 2021
Kein Plastik!


Foto: Heiner Heine

Vanuatu gibt aber nicht auf im Kampf gegen den Klimawandel. Die Bewohner*innen von Vanuatu tun, was sie können, um dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen. So gibt es seit 2018 ein striktes Verbot von Plastiktüten, Plastikstrohhalmen, Einwegwindeln und so weiter.

Sie wollen mehr über das Plastikverbot wissen? Dann lesen Sie hier weiter: Vanuatu macht es vor

Ein kurzes Video gibt es hier: Video zum Plastikverbot

 

21. Februar 2021
Disaster-Food

Disaster – das heißt übersetzt Katastrophe.
Wie würden Sie vorsorgen, wenn eine Katastrophe naht?  Einen Vorrat von Konserven, Nudeln, Mehl und Klopapier anlegen? So geschah es im Frühjahr, als wir im ersten Lockdown waren.

Die Ni-Vanuatu haben, da die meisten in kleinen Dörfern abgeschieden leben, keinen Zugang zu Supermärkten, und dennoch sind sie im Umgang mit Katastrophen sehr erfahren und einfallsreich. Wenn die jährlichen Wirbelstürme über ihr Land fegen, die Ernte zerstören, alles weggerissen und verdorben wird, was auf dem Feld wuchs, um die Familie zu ernähren, dann haben die Frauen und Männer meist vorgesorgt.
Klug und umsichtig legen sie  jedes Jahr im Regenwald Depots an mit sogenanntem „Disaster-Food“. Notrationen aus getrocknetem Bananenbrei, die in Erdlöchern konserviert werden. Ist nach so einem Wirbelsturm wieder Ruhe eingetreten, sichern diese Notrationen in der nächsten Zeit das Überleben.

Für unsere europäischen, verwöhnten Gaumen sicherlich eine Zumutung, für die Menschen auf Vanuatu dafür aber Kraftreserve, bis alles wieder auf- und angebaut worden ist.

Diesen Beitrag schrieb Klara Johanns-Mahlert, Pastoralreferentin im Dekanat Remagen-Brohltal – vielen Dank!

Wenn Sie noch nicht genug von Disaster-Food bekommen haben: Hier stehen zwei Videos für Sie bereit.

Disaster-Food im Interview

Disaster-Food, von einem Ni-Vanuatu erklärt (auf Englisch)

20. Februar 2021
Wenn die Welt untergeht

Auf dem Weltrisikoindex, der das Risiko beschreibt, dass ein Land Opfer einer Katastrophe infolge eines Naturereignisses wird, steht Vanuatu auf Platz 1. Allerdings ist der erste Platz in diesem Fall keine Auszeichnung, über die man sich freuen könnte. Es stimmt zwar: Vanuatu macht schon sehr vieles richtig, um dem Klimawandel keinen Vorschub zu leisten, nur – es nützt ihm nichts:
Vanuatu ist das Land, das weltweit am stärksten vom Klimawandel bedroht ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn dass die Welt untergeht, das sind für Vanuatu keine leeren Worte. In den letzten Jahren haben die Menschen auf Vanuatu das immer wieder erlebt: dann, wenn ein Zyklon über ihre Inseln hinwegzog. Besonders dramatisch war das 2015, als Zyklon Pam mit über 300 Stundenkilometer über die Inseln fegte und 90 % aller Häuser zerstörte. Er entblätterte Bäume, er schüttelte die Früchte von den Bäumen, die dort noch hätten reifen und die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen sollen. Insgesamt wurden damals 60 % des Bruttoinlandproduktes zerstört. Geschähe das bei uns, hätte das einen Wert von 2,4 Billionen Euro.
Als die Menschen nach dem Zyklon ihre Verstecke verließen, standen sie in einer zerstörten Welt. Ihre alte Welt schien untergegangen. Und 24 Bewohner*innen Vanuatus waren ums Leben gekommen.
Sie erinnern sich vielleicht: Von diesem Zyklon erzählt auch das Titelbild des Weltgebetstages. (Wer erst jetzt in den Countdown eingestiegen ist: Sie können es unten noch einmal nachlesen und den Film zum Titelbild schauen.)

Hier können Sie einen Eindruck davon bekommen, wie es nach „Pam“ in Vanuatu aussah: 6 Photos

Solche Zyklone suchen Vanuatu inzwischen immer häufiger heim. Und sie werden immer heftiger.  Im letzten Jahr zog im April zum Beispiel Zyklon „Harold“ mit 235 Stundenkilometer über Vanuatu hinweg.
Auch auf den vertrauten Wechsel der Jahreszeiten – Trockenzeit und Regenzeit – ist kein Verlass mehr. Die Regenzeit kommt nicht mehr pünktlich, und wenn es regnet, dann kann das so heftig sein, dass es die Pflanzen und Früchte eher ertränkt als wässert. Quellen und kleine Flüsse, die die Menschen bisher mit Trinkwasser versorgten, verschlammen. Andererseits fällt aber insgesamt nicht mehr genug Regen. Das gefährdet die Landwirtschaft und die Ernährung der Ni-Vanuatu. So müssen die Menschen von Vanuatu sich etwas einfallen lassen: andere Früchte anpflanzen, aber auch Wege finden, Ihre Früchte und Lebensmittel haltbar zu machen. Doch sie sind erfinderisch und kreativ.

Mit den beschriebenen Folgen des Klimawandels ist es aber noch nicht getan, da ist noch mehr, und durch diese Auswirkungen des Klimawandels droht die Welt Vanuatus tatsächlich unterzugehen:
Wenn sich die Atmosphäre erwärmt, schmelzen die Polkappen, und der Meeresspiegel steigt an. Einige Inseln Vanuatus erheben sich aber nur wenige Meter aus dem Meer. Schon jetzt gibt es Orte, die einst im sicheren Abstand zum Meer gegründet worden waren, nun aber praktisch direkt am Strand liegen. Bald könnte das Meer die ersten Häuser und den Friedhof erreichen, einen wichtigen Ort für die Bewohner*innen Vanuatus. Was dann? Dann muss man sein Dorf und auch seine Ahnen verlassen …
Doch nicht nur die Atmosphäre erwärmt sich, auch das Meerwasser. Dadurch sind die Korallenriffe gefährdet, die vor Vanuatu liegen und die Inseln vor der Gewalt des Meeres schützen. Wenn die Korallen sterben, dann kann das Meer ungehindert auf die Sandstrände prallen und sich immer weiter ins Land fressen.

Jetzt wissen Sie, warum Vanuatu im Weltrisikoindex auf Platz 1 steht. Deutschland steht da übrigens auf Platz 147.

In diesem kurzen Video beschreiben junge Bewohner*innen von Vanuatu, wie sie die Folgen des Klimawandels erleben: „Pacific Voices“

Foto: Heiner Heine

 

19. Februar 2021
Schatten auf dem Paradies

Sie deuteten sich schon vorsichtig an: Schatten auf dem Paradies Vanuatu. Einer der Schatten war die Stellung der Frauen in Vanuatu. Der Schatten, um den es nun geht, betrifft alle:
der Klimawandel.

Klimawandel bedeutet, dass sich das Klima auf unserer Erde verändert; es wird immer wärmer. Diese menschengemachte (anthropogene) Erwärmung hängt mit der Industrialisierung zusammen: Seitdem gelangen immer mehr Treibhausgase, die durch fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl entstehen, in die Atmosphäre. Diese nimmt jetzt mehr Sonnenenergie auf, als sie abgibt, und die Durchschnittstemperatur auf der Erde steigt.

Jetzt könnte man sich fragen, was denn daran so schlimm ist, wenn die Erde sich erwärmt, vielleicht haben wir hier dann endlich mal so schöne Sommer wie z.B. in Spanien.
Allerdings hängen mit dem Temperaturanstieg weitere Folgen zusammen. Diese machen den Klimawandel zu einer Klimakrise.

Folgen des Klimawandels sind schon jetzt auch bei uns in Deutschland zu spüren. Viele Menschen denken, dass der Klimawandel dafür sorgt, dass es jeden Tag etwas wärmer wird, und da dies nicht der Fall ist, gibt es immer noch Menschen, die den Klimawandel herunterspielen oder leugnen.

Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur erhöht aber das Risiko für Wetterextreme überall auf der Welt. Das heißt, dass extrem heiße Sommer immer häufiger werden. Der Sommer im Jahr 2003 war so ein Sommer: Aufgrund der Hitze kostete er ca. 70.000 Menschen in Europa das Leben. Außerdem führen diese Hitzewellen zu Waldbränden und einer ansteigenden Dürregefahr. Gleichzeitig werden die Kälteperioden im Winter immer kürzer und es regnet auch nicht mehr so wie gewohnt. Wenn es regnet, dann regnet es sehr stark und es kommt zu Überschwemmungen. An solchen Naturkatastrophen leidet auch die Wirtschaft, z.B. wenn die Felder, die für die Landwirtschaft gebraucht werden, überschwemmt sind oder die Flüsse mal wieder Hochwasser haben und der Handel nicht richtig funktioniert.
Mit diesen Wetterextremen geht ein Gesundheitsrisiko vor allem für kranke und ältere Menschen einher, auch hier in Deutschland.

Weltweit sind besonders ärmere Länder, wie Vanuatu, vom Klimawandel betroffen. Für die dort lebenden Menschen sind die Folgen, die bei uns noch die Ausnahme sein mögen, zum Alltag geworden und schon sehr deutlich zu spüren. Viele Menschen müssen ihre Heimat verlassen, weil sie durch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ihre Häuser und Arbeit verlieren, bei der es sich meistens um Berufe in der Landwirtschaft handelt. Auf der anderen Seite fehlt ihnen durch die Dürren der Zugang zu Trinkwasser. So sind sie gezwungen, sich umzusiedeln. Es wird geschätzt, dass momentan ca. 20 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels auf der Flucht sind.

Es ist also klar: Das Klima auf unserer Erde verändert sich, und damit hängen weitere Folgen wie der Anstieg des Meeresspiegels, die Zunahme von Wetterextremen und Naturkatastrophen sowie die Veränderung der Natur zusammen. Viele Pflanzen und Tiere können sich an die Veränderung nicht anpassen, und es kommt zu einem Artensterben. Diese Folgen ziehen weitere Konsequenzen mit sich, man könnte sagen es kommt zu einer Kettenreaktion. All dies führt dazu, dass der bewohnbare Teil der Erde immer kleiner wird und immer mehr Menschen und Tiere ihre Heimat verlassen müssen.

Das alles hört sich jetzt ziemlich schlimm an, aber es gibt noch Hoffnung, den Klimawandel zu stoppen, bzw. zu verlangsamen. Dazu wäre es allerdings notwendig, dass die Klimakrise auch wie eine Krise behandelt wird, vor allem von Politiker*innen, die die Entscheidungen treffen. Dazu wären bestimmte Sachen sehr wichtig, z.B. die Reduzierung von fossilen Brennstoffen oder die Aufforstung.
Aber auch als Einzelperson kann man einen Beitrag in die richtige Richtung leisten, z.B. indem man versucht, auf Plastik zu verzichten, weil das ziemlich umweltschädlich in der Produktion, aber auch bei der Entsorgung ist.

Der Klimawandel ist also eine der größten Krisen unserer Zeit und erfordert schnellstmögliches Handeln. Wichtig ist, dass wir nicht aufhören, uns für Klimagerechtigkeit einzusetzen und daran zu glauben, dass das Ziel noch erreichbar ist.

Diesen Beitrag für den Countdown schrieben Mara Flechtner und Lotte Welzer, zwei ehemalige Konfirmandinnen, die sich auch bei „Fridays for Future“ engagieren – herzlichen Dank!

Foto: Katja Buck

 

18. Februar 2021
„Mama Pasifika“

Wir haben verstanden:
Die Frauen von Vanuatu haben keinen leichten Stand.
Aber …!

Aber sie haben eine Stimme.
Aber sie haben ihre Kraft.
Aber sie haben ihr Lächeln.
Sie haben hier Musik.

Und Sie haben die „Black Sistaz“, die all das in einen Song gebracht haben:
„Mama Pasifika“.

Hören, sehen und mitswingen: hier.

Mitlesen können Sie hier:

Hey Schwester, weißt du, wie einzigartig und wertvoll du bist?
Du bist eine Kriegerprinzessin!
Lockiges schwarzes Haar, braune Augen.
Die Art und Weise, wie du gehst und sprichst,
kann einen Mann ein Leben lang berühren,
kann einen Freund ein Leben lang verändern.
Wenn das Leben gegen dich ist, Schwester,
Erhebe dich, Baby, rück deine Krone zurecht.
Der Schmerz, den du fühlst, wird heilen,
die Kraft dazu liegt in dir, Schwester,
geh deinen Weg und schau nicht zurück,
breite deine Flügel aus und flieg!
Steh auf und erhebe dich, Mama Pasifikazeig dich in deiner ganzen Größe!
Auch für uns steht die ganze Welt offen, Mama Pasifika,
lass uns selbstbewusst aufstehen!
Wir sind taff, wir sind stark! Wir sind voller Kraft!
Frauen aus Vanuatu, ihr könnt alles erreichen, was ihr wollt!
(Übersetzung: Charlotte Rempe)

 

17. Februar 2021
Sista – Die etwas andere Homepage für Frauen

Klar, es geht auch auf der Seite von „Sista“ (übersetzt: Schwester) um Mode und Schönheit.
Aber dann geht es, schon auf der Startseite, um das Ende der Gewalt gegen Frauen (die Telefonnummer für Opfer von häuslicher Gewalt wird gleich mit eingeblendet).
Es geht auch um die Frage: „Solltest du dein Kind schlagen als eine Form von Erziehung?“
Und es geht um eine Quote für Frauen in der Politik.
Es geht darum, dass Kinder von nach Australien verschleppten Ni-Vanuatu fordern, ihre Geschichte zu erzählen. Als Teil der Australischen Geschichte.

Wenn man durch die Seite scrollt, dann findet man Kunst, Musik, Sport und viele andere Beiträge, bei denen man zu gerne hängen bleibt.
Man muss nur Englisch lesen können …

Also unbedingt reinschauen: Sista

 

16. Februar 2021
Mama Market

„Mama“ werden die Frauen auf Vanuatu genannt, sobald sie Kinder haben, und da der Großmarkt hauptsächlich von Frauen betrieben wird, heißt er eben „Mama Market“.

Frauen sind zuständig für das Wohlergehen ihrer Familie. Sie bauen Obst und Gemüse an, um die Ernährung sicherzustellen, und was darüber hinaus geerntet wird, verkaufen sie dann täglich, (außer sonntags) auf dem Markt. So  halten sie die Familie über Wasser und tragen wesentlich zum Lebensunterhalt in der Familie bei.

Auf dem „Mama Market“ findet man dann alles, was das Herz begehrt. Von frischen Zutaten bis zum fertig gekochten Essen zum Mitnehmen. Dazu Blumen, die von den Floristinnen produziert und angeboten werden. Hier zeigt sich die ganze Fülle aus den Gaben der Natur Vanuatus. Aber auch der Fleiß und die Kreativität der Frauen Vanuatus, die Verantwortung tragen für ihre Familien und den Erhalt der Schöpfung.

Wollen Sie lesen, was zwei Frauen vom „Mama Market“ erzählen? Dann lesen Sie hier weiter: Véronique und Tracey

Diesen Beitrag schrieb Klara Johanns-Mahlert, Pastoralreferentin im Dekanat Remagen-Brohltal – vielen Dank!
Foto: Katja Buck

 

15. Februar 2021
Frauenbiographien auf Vanuatu

Frauen haben es schwer auf Vanuatu, so hörten wir es gestern an dieser Stelle.
Es ist noch ein langer Weg hin zu Gleichberechtigung und ein Leben in Würde für alle.

Aber es gibt sie, die mutigen, selbstbestimmten Frauen, die ihren Weg gehen und dabei andere Frauen ermutigen:

Anne Pakoa

Menschenrechtsaktivistin.
Politikerin
Vorbild für junge Frauen.

Die heute 50 Jährige wuchs auf in einer Familie, bei der Töchter die gleichen Rechte bekamen wie die Söhne. Dann verliebte sie sich, zog weg mit ihrem Mann und was dann folgte, war wie sie selbst sagt, „die Hölle auf Erden“. Mit ihrem Kind konnte sie aber unter großen Gefahren von ihm fliehen. Sie (verantworten. Aber Anne Pakoa zog ihre Konsequenzen. Ließ sich als Krankenschwester ausbilden und leistete in diesem Beruf wichtige Arbeit. Sie gründete Organisationen, wie „Vanuatu human rights Coalition“ , die sich vor allem für Frauen  im ländlichen Raum einsetzt.  Als Frau, mit großer Leidenschaft für Bildung, gründete sie die Organisation „junge Frauen auf Vanuatu für Veränderungen“, die junge Frauen stärken will. Diese hat z.B. ein Alarmsystem entworfen, was nach dem Schneeballsystem Wettervorhersagen weiterleitet, damit Frauen auf dem Land sich rechtzeitig auf drohende Gefahren einrichten können. Besonders junge Frauen werden darin geschult.

Anne Pakoa ist unermüdlich. Auch in die Politik, die auf Vanuatu nur von Männern bestimmt wird, versucht sie, mit ihren Mitstreiterinnen einzuwirken und Frauenthemen einzuschleusen. Bis jetzt nur mit mäßigem Erfolg. Davon aber lässt sie sich nicht entmutigen: „Ich möchte Mädchen zu Führungspersönlichkeiten ausbilden. Sie brauchen Wissen und müssen lernen, öffentlich für sich zu sprechen.“

Foto: Katja Buck

 

Georgilla

Studentische Aktivistin
Ermutigt junge Menschen
Will die Welt zu einem besseren Ort machen

Ihre Interessen sind sehr vielfältig. Sie auf ein Thema festzulegen, stellt eine Herausforderung dar.
Aufgewachsen ist Georgilla multikulturell. Ihre leibliche Mutter starb und so wurde sie erzogen von Tanten und der zweiten Frau ihres Vaters, einer Niederländerin. Sie studiert heute Jura, ist verbunden mit anderen jungen Frauen, schriftstellerisch interessiert, leitet Workshops, die die Lebensumstände von Frauen und jungen Mädchen auf Vanuatu verbessern wollen.
Ein wichtiges Thema ist die Schönheit. Unter dem Titel: „black beauty“ (schwarze Schönheit) sollen sich junge Frauen ihrer natürlichen Schönheit bewusst werden und sich von eurozentrischen Standarts befreien.  Es geht ihr darum, dass sie alle ihre eigene Identität finden und bewahren.

Foto: sista.com, Nicky Kuautonga

 

Julia Mallas King

Unternehmerin
Profi-Fußballerin
Mutter
Predigerin

Julia Mallas King passt in kein Raster.  Auch außerhalb von Vanuatu. Eine „Power-Frau“ könnte man sagen.
Sie ist eine Frau mit vielen Talenten. Als Unternehmerin mit 20 Angestellten sorgt sie dafür, dass das Nationalgetränk „Kava“ in alle Welt exportiert wird. Nebenbei engagiert sie sich dann auch noch in der örtlichen Industrie-und Handelskammer für die Anliegen weiblicher Arbeitnehmerinnen. Und als ob das nicht genug ist, trainiert sie, die ehemalige Jugend-Nationalspielerin eine B-Jugend im Fußball.
Julia ist Mutter von 4 Kindern und predigt als Frau des Pfarrers regelmäßig in der Gemeinde, einer Pfingstgemeinde, im Gottesdienst. Und auch damit fällt sie aus dem Raster. Ihre Bibelauslegung ist besonders, sie ist geprägt von den Erfahrungen von Frauen in ihrem Land und anderswo. Nicht müde wird sie, Frauen zu ermutigen Verantwortung zu übernehmen und sie zu stärken, indem sie sie daran erinnert, dass jede Frau ihre eigene Würde und Stärke hat und mit der sie Vanuatu ein Stück lebenswerter machen kann.

Foto: WGT, Katja Buck

 

Alcina Charley

Tourismusmanagerin
Presbyterianische Diakonisse und Katechetin
Sängerin
Photographin

Sie ist außergewöhnlich und stark – wie viele Frauen auf Vanuatu. Sie schafft die Balance zwischen Beruf-Familie-kirchlichem Engagement und ihrem künstlerischen Schaffen. Die Kraft dazu nimmt sie, so sagt sie selbst aus ihrem Glauben an Gott, der in ihrem Leben an erster Stelle steht.

Glück erfährt sie auch in ihrer Familie, an der Seite eines Mannes, der sie unterstützt. Vielleicht unterscheidet ihr Leben darin sich von vielen anderen Frauen auf Vanuatu.

Ihre Musik ist modern, schwungvoll, inspirierend … Hören Sie selbst …
Alcina Charley: Vanuatu Paradise

Foto: sista.com/vu

Diesen Beitrag schrieb Klara Johanns-Mahlert, Pastoralreferentin im Dekanat Remagen-Brohltal – vielen Dank!

14. Februar 2021
Wie die Frauen in Vanuatu leben


Foto: Heiner Heine

Vanuatu scheint ein Paradies zu sein. Das ist es auch.
Fast.
Wenn es nicht ein paar Schattenseiten gäbe.
Einige, die ins Gewicht fallen.
Schwer.

Da ist zum Beispiel der Satz einer Frauenaktivistin Vanuatus, die sagt:
„Für Frauen ist Vanuatu das schlimmste Land der Welt.“

Wie kommt sie dazu, das zu sagen?
Wahrscheinlich denkt sie an den „Nakamal“, den Ort, an dem sich die Männer im Ort treffen, um über alles, was ihr Dorf betrifft, zu reden und um Entscheidungen zu treffen. Frauen haben dort keinen Zutritt.
Aber: Gab es da nicht mal das „Farea“, den Ort, wo Frauen undMänner zusammenkamen, genau zum selben Zweck? Ja, gab es mal. Heute aber nicht mehr.


Foto: Heiner Heine

Bestimmt denkt die Aktivistin auch daran, dass in einer landesweiten Umfrage 60 % der befragten Frauen angaben, in ihrer Ehe und Partnerschaft schon Gewalt erfahren zu haben. Wenn Frauen ihrem Mann nicht zu willen sind, auch sexuell nicht, gibt es Schläge.
Frauen gelten nicht viel. Nicht so viel wie Männer.

Dafür tragen Frauen viel Verantwortung:
Sie sind für alles verantwortlich und zuständig, was das Leben und Überleben der Familie betrifft:
Sie kümmern sich um die Kinder, um Angehörige mit Behinderungen und um die Alten in den Familien.


Foto: Heiner Heine

Sie sorgen dafür, dass alle zu essen haben. Auch nach Naturkatastrophen, wenn die Essensvorräte und die nächste Ernte vernichtet wurden. Eine Frau sagt: „Dann stellen die Männer sich hin und fragen, wo das Essen bleibt. Und anstatt selbst mal mit Hand anzulegen, gehen sie wieder in den Nakamal“.

 

 

 

 

Foto: Katja Buck

Es geht noch traditionell zu in Vanuatu. Anita Deroin, die Präsidentin des Nationalen Frauenrates, beschreibt das so: „In Vanuatu hat nach wie vor der Mann das Sagen.“ Die Frau müsse den Mann auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Lebens respektieren – in der Familie, in der Kirche, in der Politik. „Respekt ist in unserer Kultur ein ganz wichtiger Wert. Er ist sehr schwer, diese Mentalität zu ändern, weil es eine kulturelle Pflicht ist. Und religiös wird das Ganze noch untermauert. Alle haben ihre feste Rolle, die Verantwortungen sind ganz genau aufgeteilt.“ Es gebe aber auch eine Kehrseite: „Oberhaupt einer Familie zu sein, heißt ja nicht nur, dass alle auf den Mann hören müssen, es heißt auch, dass er allen zuhören muss, um die für alle bestmögliche Entscheidung treffen zu können.“

Aber manchmal scheinen die jungen Frauen Vanuatus genauso zu sein wie junge Frauen hier.

 
Fotos: Heiner Heine

Und weil die Traditionen auf Vanuatu so stark sind, haben es Frauen auch in der Politik schwer. Wenn überhaupt mal eine Frau für das Parlament kandidierte, wurde sie nicht gewählt. Auch von Frauen nicht …

Wenn Sie noch etwas mehr über das Leben der Frauen lesen wollen, dann schauen Sie hier: Alltag der Frauen

Quelle: WGT 2021, Arbeitsheft: Informationen zu Land & Menschen
Und Danke an Iris Pupak für Ihre Vorlage!

13. Februar 2021
Wie die Menschen in Vanuatu leben

Foto: Katja Buck

Auf Vanuatu leben knapp 300.000 Menschen. Die meisten davon sind Melanesier. Zu ihnen zählen die Bewohner Neuguineas, Neukaledoniens, der Salomonen und ehemals auch die Ureinwohner Australiens.
Hinzu kommen wenige Europäer, Australier, Neuseeländer, Vietnamesen, Chinesen sowie Menschen aus anderen Teilen des Pazifiks.
33 von 100 der Menschen sind unter 14 Jahren alt, über 60 von 100 sind 15 bis 64 Jahre alt, und nur knapp 4 Prozent der Bewohner*innen Vanuatus über 64 Jahre sind.
Die Geburtenrate liegt bei 1,5 Kindern pro Frau. Fünf von 100 Säuglingen sterben bei oder nach ihrer Geburt.
Die Lebenserwartung der Menschen liegt bei den Männern bei 61 und bei den Frauen bei 64 Jahren.

Foto: Heiner Heine

Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt auf den vier größten Inseln Espíritu Santo, Malakula, Efaté und Erromango. Die beiden einzigen großen Städte sind die Hauptstadt Port Vila (auf Efaté, rund 50.000 Einwohner*innen) und Luganville (auf Espíritu Santo, gut 15.000 Bewohner*innen). Doch die meisten Ni-Vanuatu leben in Dörfern mit manchmal weniger als 100 Einwohner*innen. Viele der Dörfer sind nur vom Meer her oder über schmale Pfade durch den Regenwald erreichbar. Geteerte Straßen gibt es nur auf den größeren Inseln.
Die Hauptstadt Port Vila ist Anziehungspunkt für viele Menschen von anderen Inseln. Kinder und Jugendliche gehen für die weiterbildende Schule oder für das Studium dorthin. Auch kommen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit nach Efaté und siedeln sich in einfachen Behausungen in und um die Hauptstadt an. Doch viele sind gar nicht vorbereitet auf ein Leben in der Stadt, weit weg von ihrer vertrauten Gemeinschaft, und auf die Anforderungen in den Berufen, von denen sie träumen. So geraten Menschen in Einsamkeit und kommen in Kontakt mit Drogen.

Foto: Katja Buck

Bildung und eine Ausbildung sind in Vanuatu nicht selbstverständlich. Nicht alle Kinder und Jugendlichen, die eine Schule besuchen könnten oder sollten, besuchen sie tatsächlich. Das hat mehrere Gründe: Da sind die langen Wege zur Schule, und da ist der Umstand, dass die Unterrichtssprachen Englisch und Französisch sind – Sprachen, die lange nicht alle sprechen. Manchmal zwingt die Armut die Familien, die Kinder aus den Schulen zu nehmen und sie an der Arbeit der Familien zu beteiligen. Manchmal wird Bildung auch als etwas empfunden, was von „Kastom“ und von den Älteren entfremdet. Und manchmal wird Kindern von ihren Familien der Schulbesuch einfach nicht mehr ermöglicht, weil sie Mädchen sind …


 
Fotos: Katja Buck (1, 3), Heiner Heine (2)

Die Menschen in Vanuatu pflegen ihre Bräuche und sind stolz auf das Wissen, das ihnen ihre Vorfahren überliefert haben. In vielen Dörfern leben die Menschen noch sehr traditionell (s.u. „Kastom).

Die Ni-Vanuatu leben (noch) sehr im Einklang mit der Natur und ernähren sich von dem, was der Regenwald ihnen an Früchten schenkt, und was sie im Meer fangen.
Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben von Subsistenzwirtschaft, ernähren sich also von dem, was sie für sich und ihre Familie in Gärten oder auf Feldern anbauen und was sie im Meer fangen.
Die Ni-Vanuatu sind dem Land, auf dem sie leben, sehr eng verbunden. Sie verstehen das Land nicht als ihr Eigentum, sondern als lebenswichtig für die Existenz von Menschen und Tieren. Und so gehen sie mit dem Land auch um: achtsam und darauf bedacht, dass alle Schätze der Natur erhalten bleiben und sich immer wieder erholen können.

Foto: Katja Buck

 

12. Februar 2021
Die Säulen von Vanuatu

Eine der Säulen der Gesellschaft in Vanuatu ist also die Kirche.
Die andere Säule ist „Kastom“.

„Kastom“ lässt sich nicht einfach nur mit „Tradition“ übersetzen. Jede Insel hat ihre eigenen Traditionen. Kastom ist das Gemeinsame, das Verbindende für die Menschen in der Region Vanuatu. Es sind Riten und Mythen aus vorkolonialer Zeit, die heute noch in jeden Lebensbereich der Menschen hinein wirken.
Ein Zeichen von „Kastom“ ist zum Beispiel die Bedeutung des Nationalen Rats, wie auch die „Kawa“-Zeremonie (das Trinken eines aus einem Pfeffergewächs gewonnenen Getränks, das in Kokosschalen serviert wird), der Wert von gebogenen Schweinestoßzähnen, von Muscheln und gewebten Matten. Dies alles ist „Kastom“.
Durch die Kolonialisierung und den Einzug des Christentums ist von den alten Traditionen allerdings auch einiges verloren gegangen, wie zum Beispiel „Farea“, das frühere Dorfversammlungshaus, wo sich die Menschen eines Dorfes trafen, um wichtige Themen zu besprechen. Das „Farea“ war ein Ort, an dem sich auch Frauen mit Ihren Gedanken und Vorstellungen einbringen konnten.

Zum Kastom gehören einzigartige Bräuche und Künste. So zum Beispiel die „Wassermusik“. Einen kleinen, schönen Eindruck von dieser Musik bekommen Sie in diesem Video: Wassermusik

Foto: Katja Buck
Text: Wir danken Iris Pupak für ihre Vorlage!

11. Februar 2021
Wir glauben …


Foto: Katja Buck

Vanuatu hat eine bewegte Glaubensgeschichte hinter sich. Jeder Stamm auf jeder Insel pflegte, zum Teil bis heute, eigene Riten und Mythen und verehrte jeweils eigene Götter und einen Schöpfergott im Himmel.

Dieser Glaube an einen Schöpfergott im Himmel machte es den christlichen Missionaren im 19. Jahrhundert aber nicht leichter. Die ersten ereilte schon kurz nach ihrer Ankunft ein übles Schicksal.
Heute bekennen sich aber 83 % der Einwohner Vanuatus als Christ*innen.

Die Kirche gilt als eine der Säulen der Gesellschaft. Die Kirche genießt auch deshalb Vertrauen, weil einige Pfarrer an der Unabhängigkeitsbewegung beteiligt waren.
Dennoch haben die Kirchen kaum finanzielle Mittel, um Projekte fördern oder unterstützen zu können. Der Christliche Rat von Vanuatu (Vanuatu Christian Council, VCC) kann im Jahr nur mit umgerechnet 4.000 € aus Mitgliedsbeiträgen der Kirchen für seine Arbeit rechnen. Dabei suchen Nichtregierungsorganisationen, die sich zum Beispiel für Frauen oder für die Umwelt einsetzen, die Nähe zu den Kirchen, weil sie sich durch den Einfluss der Kirchen in der Gesellschaft mehr Gehör und Unterstützung erhoffen.

Wenn Sie mehr über Glauben und Religion in Vanuatu erfahren wollen, lesen Sie hier weiter: Religionen in Vanuatu.

 

10. Februar 2021
Ein Bild für und von Vanuatu

 

Weil der Weltgebetstag also so ist, wie er ist, bekommt man jedes Jahr einen neuen Blick auf die Welt: Jedes Jahr lernt man ein neues Land und neue Menschen kennen, hört neue Musik, probiert eine fremde Küche.

Was auch jedes Jahr neu ist: das Titelbild für den Weltgebetstag. Die Frauen des Gastgeber-Landes suchen ein Bild aus, oder eine Künstlerin des Landes wird gebeten, ein Bild zu malen, manchmal auch speziell zum Thema des jeweiligen Weltsgebetstages.

Das Titelbild dieses Jahres malte die bekannteste Künstlerin Vanuatus: Juliette Pita.

Hier finden Sie ein Portrait Juliette Pitas und die Geschichte zum Titelbild: Film zum Titelbild.

Foto: Juliette Pita

 

9. Februar 2021
Warum überhaupt Vanuatu?!

Nun aber mal eben Stop!

Warum sollen wir uns überhaupt für Vanuatu interessieren?
Woher kommt dieses Land – aus heiterem Himmel?

Das kommt vom ersten Freitag im März. Am ersten Freitag im März wird in über 150 Ländern auf der ganzen Welt ein Fest gefeiert, ein festlicher Gottesdienst: der Weltgebetstag. Jedes Jahr neu. Jedes Jahr anders. Jedes Jahr bunt, kreativ, klingend und solidarisch.
Früher hieß es „Weltgebetstag der Frauen“. Dann kamen ausschließlich Frauen in den Gottesdienst. Heute ist es ein Gottesdienst für alle, und es „trauen“ sich tatsächlich immer mehr Männer in den Gottesdienst.

Was aber immer noch so ist wie früher: Jedes Jahr wird der Ablauf des Weltgebetstags-Gottesdienstes von Frauen, Christinnen, eines bestimmten Landes vorbereitet. Jedes Jahr ist es ein anderes Land. Und manchmal eines, von dem man bis dahin gar wusste, dass es das überhaupt gibt!
Im letzten Jahr kam der Gottesdienst aus Simbabwe. 2019 aus Slowenien. Den Gottesdienst 2021 nun haben Frauen aus Vanuatu gestaltet. Und darum geht es hier um Vanuatu.

Ganz oben im Beitrag und an dieser Stelle sehen Sie das Logo des Weltgebettages. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Kreuz. Auf den zweiten Blick erkennt man, mit etwas Phantasie, vier Menschen, die beten und die durch einen Kreis verbunden sind. Damit erzählt das Logo mehrere Geschichten:

  • Am ersten Freitag im März geht ein Gebet um die ganze Welt. Überall auf der Welt sprechen Menschen dieselben Texte, jeweils in ihrer Sprache, hören auf dieselben Worte aus der Bibel, und sie hören den Frauen des Landes zu, die den Gottesdienst vorbereitet haben.
  • Die Menschen, die da zusammen Gottesdienst feiern, kommen aus verschiedenen Kirchen. Am Weltgebetstag wird darum auch immer die Ökumene gefeiert – die vor Ort und die weltweit. Für viele der christlichen Frauen Vanuatus war die Vorbereitung des Weltgebetstages übrigens die erste  große ökumenische Erfahrung. Nun wollen sie ökumenisch weitermachen!
  • Wenn die Menschen dann im Gottesdienst beten – für dieses bestimmte Land, für die Welt, für sich selbst –, dann tun sie das mit weitem Blick und weitem Herzen. Sie haben, meist auf Veranstaltungen vor dem Gottesdienst, etwas über das Gastgeberland erfahren, über das, was den Menschen in diesem Land Freude bereitet und was sie bedroht, ihnen Angst macht, worunter sie leiden. „Informiert beten“ ist darum eine wichtige Parole des Weltgebetstages.
  • Was man dem Logo vielleicht nicht so ansieht: Es soll am Weltgebetstag nicht beim Beten bleiben! Beten soll zum Handeln werden, genauso kreativ und solidarisch wie der ganze Gottesdienst. In diesem Sinne werden vom Weltgebetstag Projekte für Frauen, Kinder und Jugendliche und damit für eine ganze Gesellschaft gefördert, die Menschen Arbeit und Selbstbewusstsein geben, Bildung und Fertigkeiten vermitteln, ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Wenn Sie mehr über die Idee des Weltgebetstages wissen wollen, hier finden Sie es: „Die Idee des Weltgebetstages“.

Auf einer weltumspannenden Zoom-Konferenz, die eigentlich hätte anders stattfinden sollen, schenkten die Frauen Vanuatus den anderen Weltgebetstagsteams der Welt ein Lied.

Hier können Sie sich das Lied anhören: Lied aus Vanuatu

Foto: Das Weltgebetstags-Team von Vanuatu; Quelle: Katja Buck

 

8. Februar 2021
Die Geschichte Vanuatus

Heute geht es um die Geschichte von Vanuatu.
Darin kommen vor:
120 Sprachen,
ein legendärer Chief,
ein König, der Vanuatu gar nicht haben will,
Kaufleute, die Vanuatu sehr wohl haben wollen,
ein gemaltes Schiff,
Menschen, die fremd im eigenen Land sind,
schwarze US-Soldaten als Vorbild
und ein junger unabhängiger Staat.

Mit den 120 Sprachen geht es los. Vielmehr mit der Frage: Warum so viele Sprachen in dem einen Land? Weil wohl Menschen, die vor mehreren tausend Jahren begannen, die Inseln des heutigen Vanuatu zu besiedeln, ihre eigenen Sprachen mitbrachten. Die Einwanderer kamen wahrscheinlich von Melanesien, Polynesien und Papua-Neuguinea.
Auf den Inseln Vanuatus bildeten sich Clans, die von Chiefs geleitete wurden.
In alten Zeiten bekämpften sich die verschiedenen Clans aufs Bitterste.


Bis dann jener legendäre Chief auftrat. Die Legenden nennen ihn Roi Mata. Ein Bild, wie man sich ihn vorstellt, schmückt heute das Wappen Vanuatus. Chief Roi Mata schaffte es, so wird erzählt, die Inseln einigermaßen zu befrieden.

1606 beginnt eine neue Zeit für die Inseln von Vanuatu: Da betritt mit Pedro Fernández de Quirós der erste Europäer Vanuatu. Wie damals üblich, erklärte er kurzerhand die Inseln zum Eigentum Spaniens (denn in Spaniens Auftrag war er unterwegs). Aber Spaniens König hatte an Vanuatu überhaupt kein Interesse: Die Inseln lagen wahrscheinlich zu weit weg.

Doch das änderte sich ein Jahrhundert später: Da begann man, sich doch für jene weit entfernten Inseln zu interessieren. Zuerst landete 1768 der Franzose Louis Antoine de Bougainville auf Vanuatu und erforschte die Inseln. Ob er dort der nach ihm benannten Blume seinen Namen gab?

Ein paar Jahre später landete der englische Seefahrer James Cook auf Vanuatu, zeichnete Karten von den Inseln und nannte sie „Neue Hebriden“ (die „alten“ Hebriden liegen vor der Nordostküste Schottlands).
Im 19. Jahrhundert ließen sich dann mit der Haltung von Kolonialherren die ersten Europäer in Vanuatu nieder: Kaufleute und Plantagenbesitzer. Für sie war das Sandelholz interessant, das abgeholzt und verkauft werden konnte, und die Nähe zu Australien. Unter falschen Versprechungen, durch Erpressung oder mit Gewalt lotsten bzw. verschleppten sie Einwohner Vanuatus auf ihre Schiffe und brachten sie zu ihren Plantagen in Australien oder an anderen fremden Ufern. „Blackbirding“ nannte man das. Und von diesem „Blackbirding“ erzählte auch das Schiff, das Sie von gestern kennen.

Wer mehr darüber wissen will, kann sich einen kurzen Film anschauen: Film „Blackbirding“

Die Menschen auf den Plantagen waren eine bunt zusammengewürfelte Schar. Sie kamen zwar von Inseln, die irgendwie zusammengehörten, konnten sich aber nicht verständigen. Es waren bestimmt nicht alle des „Sanddroing“ kundig.
Eine gemeinsame Sprache musste her. Und so hörten sich die Menschen Vanuatus Worte von den Engländern ab und machten daraus ihre eigene Sprache: das „Bislama“.
Ein kleiner Sprachkurs gefällig? Dann klicken Sie hier.

Die Menschen von Vanuatu litten sehr. Da war ja nicht nur das „Blackbirding“, sondern darüber hinaus wurden durch die Europäer Krankheiten eingeschleppt, so dass die einheimische Bevölkerung sich in 100 Jahren von einer halben Millionen auf 40.000 Menschen verringerte.

1906 wurde offiziell, was vorher schon Tatsache gewesen war: Engländer und Franzosen übernahmen gemeinsam die Herrschaft über Vanuatu. Die Ureinwohner Vanuatus waren auf einmal staatenlos, das Rechts- und Bildungssystem und die Amtssprache waren, je nachdem, wo sie lebten, entweder englisch oder französisch.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Vanuatu blieb zwar von Kampfhandlungen verschont, Großbritannien und Frankreich nutzten aber die beiden Inseln Efate und Espiritu Santo als Militärbasen. In den Kriegsjahren 1942 bis 1945 übernahmen für kurze Zeit die USA die Herrschaft über Vanuatu. In dieser Zeit erlebten die Ureinwohner Vanuatus zweierlei: nicht nur, dass die US-Soldaten erfolgreich eine Infrastruktur aufbauten, wie Straßen, Flugplätze oder Wasserleitungen, und ihnen Arbeit gaben. Vor allem behandelten sie sie – im Gegensatz zu den Engländern und Franzosen – fair, einfach als Menschen. Besonders die schwarzen Soldaten wurden dafür von der indigenen Bevölkerung bewundert und geschätzt und dienten einige Zeit später als Vorbild: als sich in Vanuatu der Wunsch nach Unabhängigkeit bildete.
Auf einmal war der Gedanke im Kopf: Wir sind etwas wert. Wir dürfen genauso selbstbewusst sein wie die afroamerikanischen Soldaten. Wir können und wollen selbst über unser Land und unser Leben bestimmen.
In den 1960er Jahren bildeten sich auf den Inseln die ersten Widerstandsgruppen gegen die Kolonialmächte.

1974 wurde den Inseln eine begrenzte innere Selbstverwaltung zugestanden und ein Jahr später die ersten freien Wahlen abgehalten.
Am 30. Juli 1980 schließlich wurden die „Neuen Hebriden“ als parlamentarische Republik im Rahmen des britischen Commonwealth of Nations unabhängig. Seither heißt das Land „Vanuatu“: Land, das aufsteht. Die Bewohner*innen Vanuatus nennen sich selbst „Ni-Vanuatu“.

Fotos: Wappen: Katja Buck; Bougainvillea: (Imagicity 264) Graham Crumb/CC BY-SA 3.0
Sprachkurs: WGT e.V.
Text: Wir danken Ursula Timmerscheidt für ihre Vorlage!

 

7. Februar 2021
Sandroing


Foto: Katja Buck

83 Inseln …

und noch viel mehr Sprachen!
Über 100 Sprachen gibt es in Vanuatu. Früher hatte jeder Stamm, jede Insel ihre eigene Sprache und eigene Traditionen. Und dazwischen lag ja fast immer der Ozean.

Dennoch fanden die Menschen eine Möglichkeit, sich zu verständigen: die Sandmalerei, das „sandroing“ (kein Schreibfehler).

Sandmalerei ist eine alte Kulturtechnik, die in den zentralen und nördlichen Inseln von Vanuatu vorkommt. Aber Sand-„Malerei“ ist eigentlich der falsche Ausdruck. Viele Einwohner Vanuatus nennen es „sandraeting“ (ebenfalls kein Schreibfehler), also „Sandschrift“.

Mit dieser sehr kunstvollen Sandschrift konnten die Menschen Botschaften am Strand hinterlassen, Mythen weitergeben oder Gedanken und Naturphänomene erläutern.

2007 erklärte die UNESCO die Sandmalerei von Vanuatu zu einem „Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“.

Hier können Sie beim Sandmalen zuschauen: Video „Sandroing“

Und was hat es mit dieser, für Menschen, die Englisch gelernt haben, kuriosen Schreibweise von „sandroing“ und „sandraeting“ auf sich? Nun, wenn man es ausspricht, wie es dort steht, dann versteht man schnell, was gemeint ist. Die beiden Worte stammen aus der Sprache „Bislama“. Bislama ist die Sprache, die heute von den meisten Menschen in Vanuatu gesprochen wird. Und dass sie sich fast wie Englisch liest und anhört, kommt nicht von ungefähr. Doch dazu gibt es erst morgen etwas.

Quelle: WGT 2021, Arbeitsheft: Informationen zu Land & Menschen

 

6. Februar 2021
Insel-Hopping

Foto: WGT e.V.

So sieht Vanuatu aus: wie ein Ypsilon aus 83 Inseln.
Im Querformat findet man dieses Ypsilon auch auf der Flagge von Vanuatu wieder.


Foto: Katja Buck

67 der Inseln sind (noch) bewohnt.
Warum „noch“? Dazu gibt es später etwas in unserem Countdown.
So, wie es heute ist, erstreckt sich Vanuatu von Norden nach Süden über 1.300 Kilometer.

Wenn Sie mehr über die Inseln erfahren und auch ein paar Bilder sehen wollen, dann klicken Sie hier: Insel-Hopping

Und ein ganz eigenes Insel-Hopping mit Klängen von Vanuatu gibt es hier: Video „Sounds of Vanuatu“

Text: Wir danken Andrea Weber für ihre Vorlage!

 

5. Februar 2021
Vanuatu – Wo liegt das denn?!

Vanuatu … Noch nie gehört?

Das ging mir genauso. Eine Ahnung davon, wo Vanuatu liegen könnte, bekam ich, ohne es zu wissen, Ende 2019. Da zerbrach ich mir den Kopf über dem Weihnachtsrätsel der Süddeutschen Zeitung. Mein Kopf rauchte, mehr als alle ausgeblasenen Kerzen zusammen.

Doch dann kam ich des Rätsels Lösung sehr nahe. Sie hatte zu tun mit den Inseln, die auf der ganzen Seite verteilt waren und die zu einer Inselgruppe mit neun Inseln gehörten, obwohl im Namen der Inselgruppe nur von acht Inseln die Rede war. Der Name dieser Inselgruppe ließ sich finden: Tuvalu, ganz klein, irgendwo im Pazifischen Ozean, in der „Nähe“ von Australien – was immer „Nähe“ in diesem riesigen Ozean auch bedeuten mag.

Als ich nun hörte, dass der nächste Weltgebetstag aus Vanuatu kommen würde, dachte ich sofort wieder an Tuvalu. „Vanuatu“, das hörte sich so an, als könne es in derselben Richtung liegen. Und tatsächlich. Die Fidschi-Inseln sind bekannter, aber da, genau zwischen den Fidschi-Inseln und Australien, da liegt eben Vanuatu (Tuvalu, nur falls es Sie interessiert, liegt nördlich der Fidschi-Inseln).
Jetzt wissen Sie, wohin wir uns aufmachen.


Fotos: privat