ADVENTSKIRCHE SINZIG2018-06-25T14:28:17+00:00

ADVENTSKIRCHE SINZIG

Jeder Kirchenbau steht für seine Zeit -immer heraus gehoben aus der üblichenBebauung und deshalb deutlich Zeugnisgebend über das Empfinden und dieMöglichkeiten der Bauherren-Generation. Was wollte die Gemeinde im Jahre1952, was konnte sie erhoffen, was verwirklichen? Sie wollte eine eigene Kirchefür Sinzig, die auch Gemeindehaus seinsollte und die sich in Erscheinungsbildund baulichem Aufwand am Stil der Zeitorientierte. Das hieß Sachlichkeit und Bescheidenheit, denn der Wohlstand des„Wirtschaftswunders” und damit dasStreben nach völlig Neuem und Modernem stand noch aus. So wurde aus derneuen Kirche ein großes Haus im Stil derEigenheime jener Zeit, buchstäblich einHaus Gottes. Keine prächtige, an vergangenen Epochen orientierte Hallenkircheim Kleinformat wie in den Jahrzehnten zuvor üblich, aber auch kein moderner Zentralbau aus Glas und Beton wie bei vielenKirchenneubauten in den späten fünfziger und in den sechziger Jahren, sondernein wohnliches Haus im aus dem Alltagvertrauten Maßstab.

Den Bau in der Beethovenstraße dominiert eindeutig das Kirchenschiff undnicht der Turm. Dieser ist sogar ausgesprochen kurz geraten und steht nichtfrei, sondern ist in der Tiefe zu etwa zweiDritteln in die Südseite des Kirchenschiffes integriert. Die Längsseiten des Schiffes messen 17 Meter und sind aufgeteiltin fünf Achsen mit je einem spitzbogigenDoppelfenster. Sie zeigen eine Besonderheit: die Spitzbögen liegen als Füllungin viereckigen Fensteröffnungen, die Bögen sind also nicht ins Mauerwerk eingelassen – mit einer Ausnahme auf derWestseite. Drei schmale säulenartigeVorsprünge unterteilen die ersten vierAchsen. Die fünfte bildet einen effektvollen Abschluss, weil das Dach hier, wievorn am elf Meter hohen Turm, kürzerausgeführt ist. Die Kirche ist an der Westseite (Sakristei) schmaler und zeigt sonach außen die Position der Sakristei an,auch durch die deutlich größere Fenstereinheit. Auf der Nordseite ist das Dach andieser Stelle weiter herunter gezogenund gibt dem Sakristeieingang Wetterschutz. Während das Schiff mit einemsteilen Satteldach ausgestattet ist, hatder Turm ein nur leicht geneigtes Zeltdach. Drei Schalllöcher auf der Nord- undSüdseite und zwei auf der West- und Ostseite (9,5 Meter lang), jeweils als Spitzbogen ausgeführt, geben dem Turm, zusammen mit dem stattlichen Kreuz, seinGesicht. Bei aller optischen Bescheidenheit erhält das Gotteshaus optischen Pfiffdurch die asymmetrische Giebelform. Aufder Westseite ist sie gefühlvoll aufgelockert durch zwei Fensterreihen vonkleinen Spitzbogenfenstern (oben drei,unten fünf), auf der Ostseite herrscht dagegen konsequente Schlichtheit, alleindrei schmale, rechteckige Fensteröffnungen zur Nordecke hin bilden einen Akzent. Ein schmaler Streifen von dunklenBruchsteinen bildet ein optisches Fundament rund um die Kirche, mit Ausnahmedes kürzlich neu gestalteten, von einemgroßzügig bemessenen Spitzbogen geprägten Eingangsbereiches.

Innen entfaltet die Kirche wohnliche, anheimelnde Atmosphäre. Entsprechendden kleinen Vorsprüngen außen sind innen drei Bögen ausgeführt, nicht spitzbogig wie in der Neugotik, sondern in steilerKurve vom Fenstersims bis unter dieDecke. Ein vierter Bogen bildet   die Abgrenzung zum Altarraum, wie dieser ganzin Weiß gehalten. Bei der jüngsten Renovierung 2002 wurde der Kirchenraum insanftem Terrakotta gestrichen. Je nachLichteinfall kann der Eindruck einer verschieden stark abgetönten Farbgebungentstehen – eine optische Täuschung mitpositiver Wirkung. Scheint die Sonne vonSüden durch die dezent-bunten Fenster,bewirkt sie eine mehrfache Wiedergabeder schillernden Farben im Kirchenraum -ebenfalls ein schöner Effekt. Das großeHolzkreuz hinter dem Holzaltar, die Kanzel aus Holz und die Bänke vervollkommnen die behagliche Harmonie, die derganze Kirchenraum verströmt. Die Empore an der Ostseite gibt Platz für weitereGottesdienstbesucher oder den Chor sowie die Orgel. Darunter ist der vom Kirchenraum durch eine Tür abgetrennteEingangsbereich.

Unsere Adventskirche ist ein harmonischer Bau in den Menschen aus dem Alltag vertrauten Dimensionen – einfach,aber mit Charakter, sie taugt zu einer Liebe auf den zweiten Blick.

Geplant war die Kirche auch als Gemeindesaal. Zu einer solchen Nutzung kam es allerdings nur selten,Gemeindeglieder der ersten Stunde erinnern sich über die lange Zeitbis zum Bau des Gemeindezentrums im Dreifaltigkeitsweg 1976 allerdings nur an eine einzige großeVersammlung in der Kirche. Besprechungen gab es jedoch im abgetrennten Vorraum und in der Sakristei. Wegen der geplanten Doppelnutzung war Wert auf Bestuhlung statt Bänke gelegt worden.Erst bei einer großen Umbauaktion1979 wurde die Bestuhlung durchdie heutigen Bänke ersetzt. Damalswurde auch der Altarraum verändert, zwei neue Stufen statt der bis dahinvorhandenen drei angelegt. Jüngsteäußerliche Änderung ist das große Kreuzaus Solarzellen auf dem Dach nach Süden.

Geld war und ist immer knapp für eine Gemeinde, das war 1952 nicht anders alsheute. Man kann aber davon ausgehen,dass man sieben Jahre nach Ende desZweiten Weltkrieges die Mark besonderssorgfältig umdrehen musste. Exakt52.256 DM hat der Kirchenbau gekostet,Entwurf und Bauausführung lag bei Wilhelm Bouhs aus Niederbreisig. Zum Vergleich: eine Arbeitnehmerfamilie stand1952 ein Durchschnittseinkommen vonrund 350 DM im Monat zur Verfügung. Eswurden eifrig Spenden gesammelt, diewichtigste war die Schenkung des Grundstücks durch die Familie Koenigs ausdem Sinziger Schloss.

Wirbel um die Fenster

Über Monate beschäftigte der Kirchenbau das Presbyterium, meist machte mansich Sorgen um die Finanzierung. In einem Fall aber wurde die Gestaltung zumDiskussionspunkt. Heute lässt sich nichtmehr eruieren, wie der von der Kreisverwaltung schon genehmigte Bauplan aussah. Verbrieft ist aber, dass das Presbyterium entsetzt war über die Fensterform und sich deshalb – wahrlich ein kurioser Vorgang – an den Sinziger Bürgermeister Zimmer wandte mit der Bitte umUnterstützung: „Da es auch Ihnen nichtgleichgültig sein kann, welches Gesichtdieser Bau erhält, um sich harmonisch indas Gesamtbild der Stadt einzugliedern…, halten wir uns verpflichtet, an Sie mitder Bitte heranzutreten, auch an IhremTeile dahin zu wirken, dass unser Kompromissvorschlag in der Fenstergestaltunggehört und berücksichtigt werden möchte …” Der Bürgermeister reagierte prompt:„Hier wird nicht eine Kirche erstellt, sondern irgend eine Kultstätte, ein Betraum,wenigstens von außen gesehen. Dieäußeren Formen wurden von der Bevölkerung mit den verschiedensten Gebäuden der Umgebung verglichen, z.B. mit einer Turnhalle, mit der Rheinahr-Glasfabrik, einem Transformatorenhaus, aberniemals mit einer Kirche … Wenn ich eine Kirche bestelle, wünsche ich keinenProfanbau weder im Äußeren noch im Innern. Wenn ich mir ein Pferd kaufen will,wünsche ich nicht ein Rind …”

Der Plan wurde, offenbar auf Interventiondes Bürgermeisters beim Landrat,  geändert. Zu vermuten ist, dass ursprünglich – wahrscheinlich aus Kostengründen –rechteckige Fenster vorgesehen  waren(heute noch zu sehen an der Sakristei).Auffällig ist, dass die Fenster bis heute inder Maueröffnung rechteckig ausgeführtsind und die Spitzbögen wie Bausteineals Einsatz eingefügt sind, mit Ausnahmeder drei (oberen) Fensteröffnungen aufder Ostseite. Auch von innen lässt sich,insbesondere auf der Empore, die alterechteckige Fensterform ablesen. Also eine nachträgliche Änderung? Auf einemPlan, der sich im Gemeindearchiv befindet, sind einfache statt doppelter Spitzbogen im Mauerwerk gezeichnet. Ob essich dabei um einen frühen Entwurf handelt, ist nicht angegeben.

Matthias Röcke

Die Vorgeschichte zum Kirchenbau

Die evangelische Gemeinde Sinzig, Filialort der evangelischen Pfarrei Remagen, hat ihren Sitz auf geschichtlich bedeutsamem Boden. Der Ursprung der Stadt Sinzig geht auf die Römerzeit zurück, in der wohl ein römisches Kastell, Sentiacum genannt, lag. Im Mittelalter war hier eine Pfalz fränkischer Könige, später eine kaiserliche Pfalz, in der Friedrich Barbarossa mehrere Male geweilt hat. Mächtig überragt wird die schöne an der Ausmündung des Ahrtals in das Rheintal gelegene Stadt von der auf einem Bergvorsprung erbauten, 1220 vollendeten Peterskirche. Diese auch im Innern prächtige Basilika ist ein Symbol dafür, dass Sinzig stets eine überwiegend katholische Stadt war, in der die Evangelischen bis auf den heutigen Tag in der Diaspora leben und auch jetzt noch die katholische Bevölkerung sie an Zahl um mehr als das Zehnfache übertrifft.

Doch hatte sich schon in der Reformationszeit in Sinzig eine kleine protestantische Gemeinde gebildet. Als 1620 die Spanier unter Spinola die Stadt besetzten, verfiel diese Gemeinde der Auflösung. Die Evangelischen in Sinzig mussten sich seitdem mit der Teilnahme an den Gottesdiensten in Remagen begnügen. Dies war nicht immer leicht, da Sinzig 4 km von Remagen entfernt liegt. – Erst im 19. Jahrhundert vermehrte sich die Seelenzahl der Evangelischen in Sinzig dadurch, dass ein Amtsgericht, Eisenbahn und etwas Industrie nach Sinzig kamen. Unter diesen Evangelischen war der Durst nach dem lebendigem Wasser des Wortes Gottes so stark, dass trotz aller Umstände und Schwierigkeiten stets eine ganze reihe Sinziger den Gottesdienst in Remagen sonntäglich besuchten.

Im Jahre 1906 aber traten die Sinziger Evangelischen an den damaligen Pfarrer Andreä mit der Bitte um Einrichtung eines eigenen Gottesdienstes in Sinzig heran. Im November dieses Jahres beschloss die Kirchenvertretung, alle 14 Tage in der dazu zur Verfügung gestellten Aula der PräparandenanstaltGottesdienst zu halten. Unter Vorsitz des damaligen Amtsgerichtsrates van Eldik bildete sich ein Komitee, das eine Kollekte bei den Evangelischen Sinzigs zur Beschaffung der nötigen Ausrüstungsgegenstände (Altar aus Eichenholz, Altardecke, Teppich, Gesangbücher usw.) abhielt. Diese Sammlung ergab den Betrag von 263 Mark, wobei zu bedenken ist, dass es sich um Beiträge von etwas 28 Familien handelte, unter denen nur ganz wenige Begüterte waren. Der Großteil der kleinen Gemeinde bestand aus Beamten, Angestellten und Arbeitern. Endlich konnte zur Freude der Gemeinde in Sinzig der erste Gottesdienst am 28.Januar 1907gehalten werden.

15 Jahre lang – von 1907-1922 – konnte sich die Gemeinde ihres Saales erfreuen. Da wurde die Präparandenanstalt aufgelöst und musste geräumt werden. Nun erbarmte sich die edle Frau Ernst Koenigs Johanna geb. Bunge der obdachlos gewordenen Gemeindeglieder. Sie besaß in Sinzig ein auf den Grundmauern der alten Kaiserpfalz errichtetes Schloss, das sie in jedem Jahr vom Frühjahr bis zum Herbst bewohnte, um sich während dieser Zeit treu zur Gemeinde zu halten. Sie räumte der Gemeinde in einem ihr gehörenden Hause auf der Barbarossastraße – dem sog. Winzerverein – einen Saal ein, der am 5. Nov. 1922seiner Bestimmung übergeben wurde. Es war en würdig ausgestatteter Raum, den die Gemeinde lange Jahre, nämlich bis 1948, benutzen durfte. Später stellte Frau Königs in demselben Haus der Gemeinde ebenfalls unentgeldlich noch zwei bisher von ihr vermietete Räume als Vereinszimmer zur Verfügung. Sie nahm innigen Anteil, als in diesem Raum Anfang 1932die Sinziger Frauenhilfedurch Pfarrer v. Nasse gegründet wurde und bald darauf ein Sinziger Kirchenchor unter Leitung des Zahnarztes Dr. Wallnau. Wie sich das Leben in der evgl. Gemeinde Sinzig regte, zeigte sich auch bei der Feier des 25 jährigen Bestehens des evgl. Gottesdienstesin Sinzig am 28. Februar 1932, an der auch viele auswärtige Gäste teilnahmen, so dass bei der Nachversammlung 235 Personen mit Kaffee bewirtet wurden.

Ein schwerer Verlust traf die Gemeinde, als am 13.Januar 1934 die Wwe. Ernst Königs starb. Auf dem Friedhof Melaten in Köln, ihrem Hauptwohnort, widmete ihr Pfarrer v. Nasse einen warmen Nachruf, indem er das Wort auf sie anwandte, das einst von dem Hauptmann von Kapernaum gerühmt wurde: “Er hat unser Volk lieb und die Schule hat er uns erbaut“ ( Luk.7,5). Auch nach ihrem Tod durfte die kleine Gemeinde weiter den Segen von dem Wirken jener seltenen Frau erfahren. Die Kinder der Frau Königs, 6 Geschwister, überließen der evgl. Gemeinde weiter das Heim in dem ihnen gehörenden Haus. Auch erfüllten sie den Wunsch ihrer Mutter und stellten der Gemeinde ein hinter dem Amtsgericht gelegenes 25 m breites und etwa 40 m tiefes Grundstück zum Bau einer Kapelle in Aussicht. Auf Veranlassung des Presbyteriums besichtigte der Leiter des Provinzialkirchl. Bauamtes, Herr Architekt Schönhagen aus Koblenz, die Sinziger Örtlichkeiten und entwarf einen ansprechenden Plan zu einer schlichten Kapelle. Es bestand von vornherein Klarheit darüber, dass bei weiterer Entwicklung der Gemeinde – damals 270 Seelen zählend – dieser Bauplan durch einen anderen zu ersetzen sei und die Erben Königs um einen freier und günstiger gelegenen Bauplatz zu bitten seien. 1938 bewilligte die Hauptversammlung des Rhein. Vereins der Gustav Adolfstiftung auf Antrag des Pfarrers v. Nasse zur allgemeinen Freude und Überraschung aus dem großen Liebeswerk die 1. Gabe von 3000 Mark zur Errichtung dieser Kapelle. Auch an die Zweigvereine der Gustav-Adolfstiftung trat man nicht ohne Erfolg heran. In den Gottesdiensten wurde gesammelt und von einer Familie kam eine besondere Spende.  Bis zur Währungsreform sammelte sich so der von Herrn Presbyter Meurer verwaltete Baufonds auf etwa RM 10.000 an. Verhandlungen mit der Finanzabteilung beim evgl. Konsistorium der Rheinprovinz wegen der Beihilfe in den Jahren 1938/39 führten zu keinem greifbaren Ergebnis. Dennoch durften wir hoffen, im Jahre 1940 den Kapellenbau, den Herr Schönhagen auf etwas 15.000 Mark veranschlagt hatte, durchführen zu können.

Da kam die große Enttäuschung. Der Ausbruch des Krieges machte vorläufig alles Bauen unmöglich. Als Trost blieb, dass uns ein kostenloser Bauplatz zugesichert war und ein Rest des Baufonds über die Währungsreform hinwegzuretten sein werde.

Im Kriege wurde auch der evgl. Kirchsaal leicht beschädigt. Bis zu seiner Wiederherstellung gewährte die Kath. Gemeinde Sinzig in edler Toleranz der evgl. Gemeinde von Karfreitag bis Pfingsten 1945 in ihrer herrlichen Peterskirche Gastrecht.

1948 mussten die Evangelischen Sinzigs ihren Kirchensaal, den sie 26 Jahre benutzt hatten, räumen, da die Familie Königs ihn anderweitig nutzen wollte. Doch vermietete Frau Wwe. Karl Königs der Gemeinde einen Saal in ihrem Schlösschen. Doch auch hier war unseres Bleibens nicht lange. Im Frühjahr 1952 wurde das Schloss verkauft, um für ein Kurhaus hergerichtet zu werden. Wieder war die durch Flüchtlinge und andere Evangelische angewachsene Gemeinde ohne Raum, was umso schwerer wog, als inzwischen mit dem Amtsantritt von Pfarrer Hentze im November 1950 die Gottesdienst zunächst auf 3 Sonntage im Monat, und bald darauf auf jeden Sonntag ausgedehnt worden waren. In dankenswerter Weise stellte uns die kath. Gemeinde ihr Pfarrheimvorübergehend zur Abhaltung unserer sonntäglichen Gottesdienste zur Verfügung. Nunmehr wurde der Bau einer eigenen würdigen evgl. Kirche in Sinzig zu einer zwingenden Notwendigkeit.

Pfarrer i.R. lic. von Nasse, zur Einweihung der Adventskirche 1952, in: Festschrift zur Einweihung der Adventskirche 1952

Die Ausführung des lang ersehnten Planes

Am 18. Juli 1951 beschloss das Presbyterium, dem Wunsch der Sinziger evgl. Gemeindeglieder zu entsprechen und ihnen ein eigenes Gotteshaus zu erstellen. Die 1. greifbare Möglichkeit dazu bot eine hochherzige Stiftung der Frau Else von Wedderkop,der ältesten Tochter der schon erwähnten Johanna Königs. Sie schenkte der Gemeinde als Vollstreckerin des Willens ihrer verewigten Mutter ein Grundstück an der Beethovenstr., Ecke Alfed-Ottstr. von 8,68 ar, das im August 1951 in den Besitz der Gemeinde überging. Nachdem sich zu unserer großen Freude herausstellte, dass das vor und während des Krieges gesammelte Geld dank der guten Anlage in Wertpapieren durch unseren Presbyter Herrn Meurer nicht restlos verfallen war, erhielt Herr Architekt Bouß aus Oberbreisigden Auftrag zur Planung eines Gotteshauses, welches nicht im Kapellenstil, sondern als Kirche mit etwa 200 Plätzen Sitzvermögen zu gestalten war. EinBauausschusswurde gebildet aus Sinziger Bürgern, der in zahlreichen Sitzungen wertvolle Arbeit leistete und so das Presbyterium entlastete.

Der im September 1951 der Kirchenleitung eingereichte Plan wurde verworfen. Erst ein im Januar abgeänderter neuer Planfand schließlich die kirchen- und staatsaufsichtliche Zustimmung. Nun konnte am 9. März 1952 in Gegenwart unseres Superintendenten, Herrn Kirchenrat lic. Sachsse und unter zahlreicher Beteiligung unserer Gemeinde der Grundsteinzu einer eigenen Kirche gelegt werden. Für alle Sinziger ein unvergesslicher Tag! Die in eine gestiftete Messinghülse verschlossene und in dem Chorraum eingelassene Urkunde trägt folgenden Wortlaut:

„Heute, am 9.März (Reminiscere) des Jahres 1952, legt die Evgl. Kirchengemeinde Remagen den Grundstein zu dieser Kirche im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Möchten nicht allein die Mauern äußerlich erstehen, sondern auch die Gemeinde mit erbaut werden zu einer Behausung Gottes im Geist. Er gebe zum Wollen das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen.“

Superintendent der Synode Koblenz: Kirchenrat lic. Sachsse, Amtsbürgermeister der Stadt Sinzig: Zimmer, Amtierender Pfarrer von Remagen: Hentze, Pfarrer, Leitender Architekt des Kirchenbaues: Bouß, für das Presbyterium: Barthel, Baum, Genkinger, Heukelbach, Meurer, Meyer

Am 16. September 1952 war der Bau soweit fortgeschritten, dass wir mit den Arbeitern Richtfestbegehen konnten. Nun die Kirche „unter Dach“ war, konnten wir an die innere Ausgestaltung denken. Viel Mühe hat es uns bereitet, die Fensterin ihrer jetzigen schönen und ansprechenden Form zu erhalten. 170 neue Stühle wurden angeschafft. Die vorhandene kl. Übungsorgel konnte in dieser Form ihrer Aufgabe im neuen Kirchenraum nicht genügen. Sie wurde durch 2 weitere Register, eine Transmission und ein elektrisches Gebläse ergänzt. Kanzel und Altar, Turm und Holzkreuz, Öfen, Liedertafeln usw. waren vonnöten.

Wenn wir heute das schmucke Kirchlein vor uns sehen, dann ist wohl die Frage berechtigt, wie es möglich war, dass eine so kleine Diasporagemeinde einen solchen Baufinanzierenkonnte.

Hier müssen wir zunächst unserem Vater im Himmel und dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben danken, der unseren anfänglichen Kleinmut beschämt und uns gegeben hat über all unser Bitten und Verstehen.

Es ist immer so gewesen, dass im rechten Augenblick das Geld vorhanden war. Unsere rührige Frauenhilfe in Sinzig hat dort in einem Jahr über DM 4.000 sammeln können. Die Sinziger Sonntagskollekte erbrachte über DM 2.500. Konzerte und musikalische Veranstaltungen sowie die Frauenhilfe Remagen brachten weitere Gelder ein. Ein Darlehen wurde aufgenommen, wovon die Kirchenleitung den Großteil der Zinsen übernahm. Der Erlös aus dem Verkauf eines Grundstückes wurde teilweise mitverwandt. Wenn wir allen Spendern für ihre Opferfreudigkeit herzlich Dank sagen, so müssen wir doch namentlich den Geschwistern Baum danken, die durch Stiftungen und finanzielle Hilfen uns recht spürbar aus mancher Verlegenheit geholfen haben.

Auch die Hilfe von außen blieb nicht aus. Wenn auch der Staat keinen Pfennig Zuschuss geben konnte, so hat doch die Stadt Sinzig nach Kräften zur Verwirklichung unseres Planes beigetragen. Selbst aus dem Ausland – aus Schweden– durften wir Hilfe erfahren.

Nicht zuletzt hat unsere Kirchenleitungdas Gelingen möglich gemacht. So haben mancherlei Kräfte mitgewirkt, um das jetzige Kirchlein erstehen zu lassen. Wir aber wollen nun erst recht unsern Herrn bitten, dass die Gemeinde dies ihr Gotteshaus nun auch in großer Zahl besucht und das wahr wird, was in der Urkunde geschrieben steht: dass die Gemeinde erbaut werde zu einer Behausung Gottes im Geist.

Pfarrer Hentze, in: Festschrift zur Einweihung der Adventskirche 1952

Die Glocken

Erst zwei Jahre später konnten die drei Glocken der Adventskirche eingeweiht werden. Bis sie aufgehängt werden konnten, mussten jedoch erst die Schalllöcher im Turm vergrößert und das Turmgestühl umgebaut werden.

Die drei Glocken sind auf „E“ gestimmt. Die größte Glocke wiegt 280 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 79 cm und ist mit der Inschrift versehen: „Oh Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Die zweite, 200 kg schwere Glocke, trägt die Inschrift „Ich will den Namen Gottes preisen“ und die dritte die erste Liedzeile des berühmten Liedes von Martin Luther „Ein feste Burg ist unser Gott“.