Zum fünften Jahrestag der Flut luden die Kirchengemeinden Sinzigs zu stillem Gedenken in ihre Kirchen ein. Um 17 Uhr, als die Kirchen für dieses Gedenken öffneten, läuteten die Glocken. Damit wurden die Räume eröffnet: für ein stilles Gedenken, für das, was Menschen brauchen könnten.
In der Adventskirche entwickelte sich das Gedenken überraschend: nicht zu einem Gedenken in Stille, sondern im Austausch, im Einander-Erzählen. Über die ganzen vier Stunden kamen immer wieder Menschen, blieben kurz, blieben länger. Doch anders als erwartet, setzten sie sich nicht still in eine Bank, sondern fanden sich zusammen, in kleineren oder größeren Gruppen und erzählten noch einmal. Von jener Nacht. Und den Tagen danach. Von dem Wasser und Schlamm, von all dem, was verdreckt und verloren war – aber genauso von den bekannten und unbekannten Menschen, die plötzlich bei ihnen vor der Tür standen und anpackten.
Einige zündeten eine Kerze an, andere nutzen die Möglichkeit, ihre Gedanken an diesem Tag aufzuschreiben, zum Beispiel diese:
Was mich immer noch oder immer wieder traurig macht: meine ertrunkenen Nachbarn in der Lebenshilfe.
Wofür ich dankbar bin: für die unendliche Hilfsbereitschaft; für die Helfer, die mit ihrer Selbstverständlichkeit und ihrem Optimismus gar keine schlechten Gedanken zugelassen haben.
Was für mich neu geworden ist: das Zusammenleben.
Am Ende läuteten die Glocken der Adventskirche und von St. Peter noch einmal: zum Abschluss von zwei intensiven Tagen, zum Gebet, zu einer hoffentlich guten Nacht. Und zu der Hoffnung, dass Gott Dich und uns sieht und Gedanken des Friedens und der Zukunft für uns hat.
