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Adventskirche Sinzig


Im Folgenden finden Sie Beiträge ...



Geschichte der evangelischen Gemeinde in Sinzig

Wir dokumentieren die Beiträge in der Festschrift zur Einweihung der Adventskirche in Sinzig am 14. Dezember 1952

Die Vorgeschichte zum Kirchenbau

(Von Pfarrer i.R. lic. von Nasse, zur Einweihung der Adventskirche 1952)

Die evangelische Gemeinde Sinzig, Filialort der evangelischen Pfarrei Remagen, hat ihren Sitz auf geschichtlich bedeutsamem Boden. Der Ursprung der Stadt Sinzig geht auf die Römerzeit zurück, in der wohl ein römisches Kastell, Sentiacum genannt, lag. Im Mittelalter war hier eine Pfalz fränkischer Könige, später eine kaiserliche Pfalz, in der Friedrich Barbarossa mehrere Male geweilt hat. Mächtig überragt wird die schöne an der Ausmündung des Ahrtals in das Rheintal gelegene Stadt von der auf einem Bergvorsprung erbauten, 1220 vollendeten Peterskirche. Diese auch im Innern prächtige Basilika ist ein Symbol dafür, dass Sinzig stets eine überwiegend katholische Stadt war, in der die Evangelischen bis auf den heutigen Tag in der Diaspora leben und auch jetzt noch die katholische Bevölkerung sie an Zahl um mehr als das Zehnfache übertrifft.
Doch hatte sich schon in der Reformationszeit in Sinzig eine kleine protestantische Gemeinde gebildet. Als 1620 die Spanier unter Spinola die Stadt besetzten, verfiel diese Gemeinde der Auflösung. Die Evangelischen in Sinzig mussten sich seitdem mit der Teilnahme an den Gottesdiensten in Remagen begnügen. Dies war nicht immer leicht, da Sinzig 4 km von Remagen entfernt liegt. – Erst im 19. Jahrhundert vermehrte sich die Seelenzahl der Evangelischen in Sinzig dadurch, dass ein Amtsgericht, Eisenbahn und etwas Industrie nach Sinzig kamen. Unter diesen Evangelischen war der Durst nach dem lebendigem Wasser des Wortes Gottes so stark, dass trotz aller Umstände und Schwierigkeiten stets eine ganze reihe Sinziger den Gottesdienst in Remagen sonntäglich besuchten.

Im Jahre 1906 aber traten die Sinziger Evangelischen an den damaligen Pfarrer Andreä mit der Bitte um Einrichtung eines eigenen Gottesdienstes in Sinzig heran. Im November dieses Jahres beschloss die Kirchenvertretung, alle 14 Tage in der dazu zur Verfügung gestellten Aula der Präparandenanstalt Gottesdienst zu halten. Unter Vorsitz des damaligen Amtsgerichtsrates van Eldik bildete sich ein Komitee, das eine Kollekte bei den Evangelischen Sinzigs zur Beschaffung der nötigen Ausrüstungsgegenstände (Altar aus Eichenholz, Altardecke, Teppich, Gesangbücher usw.) abhielt. Diese Sammlung ergab den Betrag von 263 Mark, wobei zu bedenken ist, dass es sich um Beiträge von etwas 28 Familien handelte, unter denen nur ganz wenige Begüterte waren. Der Großteil der kleinen Gemeinde bestand aus Beamten, Angestellten und Arbeitern. Endlich konnte zur Freude der Gemeinde in Sinzig der erste Gottesdienst am 28.Januar 1907 gehalten werden.
15 Jahre lang – von 1907-1922 – konnte sich die Gemeinde ihres Saales erfreuen. Da wurde die Präparandenanstalt aufgelöst und musste geräumt werden. Nun erbarmte sich die edle Frau Ernst Koenigs Johanna geb. Bunge der obdachlos gewordenen Gemeindeglieder. Sie besaß in Sinzig ein auf den Grundmauern der alten Kaiserpfalz errichtetes Schloss, das sie in jedem Jahr vom Frühjahr bis zum Herbst bewohnte, um sich während dieser Zeit treu zur Gemeinde zu halten. Sie räumte der Gemeinde in einem ihr gehörenden Hause auf der Barbarossastraße – dem sog. Winzerverein – einen Saal ein, der am 5. Nov. 1922 seiner Bestimmung übergeben wurde. Es war en würdig ausgestatteter Raum, den die Gemeinde lange Jahre, nämlich bis 1948, benutzen durfte. Später stellte Frau Königs in demselben Haus der Gemeinde ebenfalls unentgeldlich noch zwei bisher von ihr vermietete Räume als Vereinszimmer zur Verfügung. Sie nahm innigen Anteil, als in diesem Raum Anfang 1932 die Sinziger Frauenhilfe durch Pfarrer v. Nasse gegründet wurde und bald darauf ein Sinziger Kirchenchor unter Leitung des Zahnarztes Dr. Wallnau. Wie sich das Leben in der evgl. Gemeinde Sinzig regte, zeigte sich auch bei der Feier des 25 jährigen Bestehens des evgl. Gottesdienstes in Sinzig am 28. Februar 1932, an der auch viele auswärtige Gäste teilnahmen, so dass bei der Nachversammlung 235 Personen mit Kaffee bewirtet wurden.
Ein schwerer Verlust traf die Gemeinde, als am 13.Januar 1934 die Wwe. Ernst Königs starb. Auf dem Friedhof Melaten in Köln, ihrem Hauptwohnort, widmete ihr Pfarrer v. Nasse einen warmen Nachruf, indem er das Wort auf sie anwandte, das einst von dem Hauptmann von Kapernaum gerühmt wurde: “Er hat unser Volk lieb und die Schule hat er uns erbaut“ ( Luk.7,5). Auch nach ihrem Tod durfte die kleine Gemeinde weiter den Segen von dem Wirken jener seltenen Frau erfahren. Die Kinder der Frau Königs, 6 Geschwister, überließen der evgl. Gemeinde weiter das Heim in dem ihnen gehörenden Haus. Auch erfüllten sie den Wunsch ihrer Mutter und stellten der Gemeinde ein hinter dem Amtsgericht gelegenes 25 m breites und etwa 40 m tiefes Grundstück zum Bau einer Kapelle in Aussicht. Auf Veranlassung des Presbyteriums besichtigte der Leiter des Provinzialkirchl. Bauamtes, Herr Architekt Schönhagen aus Koblenz, die Sinziger Örtlichkeiten und entwarf einen ansprechenden Plan zu einer schlichten Kapelle. Es bestand von vornherein Klarheit darüber, dass bei weiterer Entwicklung der Gemeinde – damals 270 Seelen zählend – dieser Bauplan durch einen anderen zu ersetzen sei und die Erben Königs um einen freier und günstiger gelegenen Bauplatz zu bitten seien. 1938 bewilligte die Hauptversammlung des Rhein. Vereins der Gustav Adolfstiftung auf Antrag des Pfarrers v. Nasse zur allgemeinen Freude und Überraschung aus dem großen Liebeswerk die 1. Gabe von 3000 Mark zur Errichtung dieser Kapelle. Auch an die Zweigvereine der Gustav-Adolfstiftung trat man nicht ohne Erfolg heran. In den Gottesdiensten wurde gesammelt und von einer Familie kam eine besondere Spende. Bis zur Währungsreform sammelte sich so der von Herrn Presbyter Meurer verwaltete Baufonds auf etwa RM 10.000 an. Verhandlungen mit der Finanzabteilung beim evgl. Konsistorium der Rheinprovinz wegen der Beihilfe in den Jahren 1938/39 führten zu keinem greifbaren Ergebnis. Dennoch durften wir hoffen, im Jahre 1940 den Kapellenbau, den Herr Schönhagen auf etwas 15.000 Mark veranschlagt hatte, durchführen zu können.
Da kam die große Enttäuschung. Der Ausbruch des Krieges machte vorläufig alles Bauen unmöglich. Als Trost blieb, dass uns ein kostenloser Bauplatz zugesichert war und ein Rest des Baufonds über die Währungsreform hinwegzuretten sein werde.
Im Kriege wurde auch der evgl. Kirchsaal leicht beschädigt. Bis zu seiner Wiederherstellung gewährte die Kath. Gemeinde Sinzig in edler Toleranz der evgl. Gemeinde von Karfreitag bis Pfingsten 1945 in ihrer herrlichen Peterskirche Gastrecht.
1948 mussten die Evangelischen Sinzigs ihren Kirchensaal, den sie 26 Jahre benutzt hatten, räumen, da die Familie Königs ihn anderweitig nutzen wollte. Doch vermietete Frau Wwe. Karl Königs der Gemeinde einen Saal in ihrem Schlösschen. Doch auch hier war unseres Bleibens nicht lange. Im Frühjahr 1952 wurde das Schloss verkauft, um für ein Kurhaus hergerichtet zu werden. Wieder war die durch Flüchtlinge und andere Evangelische angewachsene Gemeinde ohne Raum, was umso schwerer wog, als inzwischen mit dem Amtsantritt von Pfarrer Hentze im November 1950 die Gottesdienst zunächst auf 3 Sonntage im Monat, und bald darauf auf jeden Sonntag ausgedehnt worden waren. In dankenswerter Weise stellte uns die kath. Gemeinde ihr Pfarrheim vorübergehend zur Abhaltung unserer sonntäglichen Gottesdienste zur Verfügung. Nunmehr wurde der Bau einer eigenen würdigen evgl. Kirche in Sinzig zu einer zwingenden Notwendigkeit.

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Die Ausführung des lang ersehnten Planes

(von Pfarrer Hentze)

Am 18. Juli 1951 beschloss das Presbyterium, dem Wunsch der Sinziger evgl. Gemeindeglieder zu entsprechen und ihnen ein eigenes Gotteshaus zu erstellen. Die 1. greifbare Möglichkeit dazu bot eine hochherzige Stiftung der Frau Else von Wedderkop, der ältesten Tochter der schon erwähnten Johanna Königs. Sie schenkte der Gemeinde als Vollstreckerin des Willens ihrer verewigten Mutter ein Grundstück an der Beethovenstr., Ecke Alfed-Ottstr. von 8,68 ar, das im August 1951 in den Besitz der Gemeinde überging. Nachdem sich zu unserer großen Freude herausstellte, dass das vor und während des Krieges gesammelte Geld dank der guten Anlage in Wertpapieren durch unseren Presbyter Herrn Meurer nicht restlos verfallen war, erhielt Herr Architekt Bouß aus Oberbreisig den Auftrag zur Planung eines Gotteshauses, welches nicht im Kapellenstil, sondern als Kirche mit etwa 200 Plätzen Sitzvermögen zu gestalten war. Ein Bauausschuss wurde gebildet aus Sinziger Bürgern, der in zahlreichen Sitzungen wertvolle Arbeit leistete und so das Presbyterium entlastete.

Der im September 1951 der Kirchenleitung eingereichte Plan wurde verworfen. Erst ein im Januar abgeänderter neuer Plan fand schließlich die kirchen- und staatsaufsichtliche Zustimmung. Nun konnte am 9. März 1952 in Gegenwart unseres Superintendenten, Herrn Kirchenrat lic. Sachsse und unter zahlreicher Beteiligung unserer Gemeinde der Grundstein zu einer eigenen Kirche gelegt werden. Für alle Sinziger ein unvergesslicher Tag! Die in eine gestiftete Messinghülse verschlossene und in dem Chorraum eingelassene Urkunde trägt folgenden Wortlaut:
„Heute, am 9.März (Reminiscere) des Jahres 1952, legt die Evgl. Kirchengemeinde Remagen den Grundstein zu dieser Kirche im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Möchten nicht allein die Mauern äußerlich erstehen, sondern auch die Gemeinde mit erbaut werden zu einer Behausung Gottes im Geist. Er gebe zum Wollen das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen.“

Am 16. September 1952 war der Bau soweit fortgeschritten, dass wir mit den Arbeitern Richtfest begehen konnten. Nun die Kirche „unter Dach“ war, konnten wir an die innere Ausgestaltung denken. Viel Mühe hat es uns bereitet, die Fenster in ihrer jetzigen schönen und ansprechenden Form zu erhalten. 170 neue Stühle wurden angeschafft. Die vorhandene kl. Übungsorgel konnte in dieser Form ihrer Aufgabe im neuen Kirchenraum nicht genügen. Sie wurde durch 2 weitere Register, eine Transmission und ein elektrisches Gebläse ergänzt. Kanzel und Altar, Turm und Holzkreuz, Öfen, Liedertafeln usw. waren vonnöten.
Wenn wir heute das schmucke Kirchlein vor uns sehen, dann ist wohl die Frage berechtigt, wie es möglich war, dass eine so kleine Diasporagemeinde einen solchen Bau finanzieren konnte.
Hier müssen wir zunächst unserem Vater im Himmel und dem Geber aller guten und vollkommenen Gaben danken, der unseren anfänglichen Kleinmut beschämt und uns gegeben hat über all unser Bitten und Verstehen.
Es ist immer so gewesen, dass im rechten Augenblick das Geld vorhanden war. Unsere rührige Frauenhilfe in Sinzig hat dort in einem Jahr über DM 4.000 sammeln können. Die Sinziger Sonntagskollekte erbrachte über DM 2.500. Konzerte und musikalische Veranstaltungen sowie die Frauenhilfe Remagen brachten weitere Gelder ein. Ein Darlehen wurde aufgenommen, wovon die Kirchenleitung den Großteil der Zinsen übernahm. Der Erlös aus dem Verkauf eines Grundstückes wurde teilweise mitverwandt. Wenn wir allen Spendern für ihre Opferfreudigkeit herzlich Dank sagen, so müssen wir doch namentlich den Geschwistern Baum danken, die durch Stiftungen und finanzielle Hilfen uns recht spürbar aus mancher Verlegenheit geholfen haben.
Auch die Hilfe von außen blieb nicht aus. Wenn auch der Staat keinen Pfennig Zuschuss geben konnte, so hat doch die Stadt Sinzig nach Kräften zur Verwirklichung unseres Planes beigetragen. Selbst aus dem Ausland – aus Schweden – durften wir Hilfe erfahren.
Nicht zuletzt hat unsere Kirchenleitung das Gelingen möglich gemacht. So haben mancherlei Kräfte mitgewirkt, um das jetzige Kirchlein erstehen zu lassen. Wir aber wollen nun erst recht unsern Herrn bitten, dass die Gemeinde dies ihr Gotteshaus nun auch in großer Zahl besucht und das wahr wird, was in der Urkunde geschrieben steht: dass die Gemeinde erbaut werde zu einer Behausung Gottes im Geist.

Worte von Luther auf der Rückseite der Festschrift

Niemand glaubet, wie kräftig und stark das Gebet sei und wieviel es vermag, denn der, den es die Erfahrung gelehret und ders versucht hat. Aber es ist ein groß Ding, wenn einer fühlet die große Not, die ihn dringet, das er alsdann kann das Gebet ergreifen. Das weiß ich, so oft ich mit Ernst gebetet habe, das mirs recht ernst gewesen ist, so bin ich ja reichlich erhöret worden und habe mehr erlanget, denn ich gebeten habe! Wohl hat Gott bisweilen verzogen, aber es ist dennoch kommen. Ah, wie gar ein groß Ding ists um ein rechtschaffen Gebet frommer Christen. Wie gar kräftig ist es bei Gott, dass ein armer Mensch mit der hohen Majestät im Himmel so reden soll und vor ihm nicht erschrecken, sondern wissen, dass ihm Gott freundlich anlache um Jesus Christus willen, seines lieben Sohnes, unseres Herrn und Heilandes.

Die Glocken

Erst zwei Jahre später konnten die drei Glocken der Adventskirche eingeweiht werden. Bis sie aufgehängt werden konnten, mussten jedoch erst die Schalllöcher im Turm vergrößert und das Turmgestühl umgebaut werden.
Die drei Glocken sind auf „E“ gestimmt. Die größte Glocke wiegt 280 Kilogramm, hat einen Durchmesser von 79 cm und ist mit der Inschrift versehen: „Oh Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ Die zweite, 200 kg schwere Glocke, trägt die Inschrift „Ich will den Namen Gottes preisen“ und die dritte die erste Liedzeile des berühmten Liedes von Martin Luther „Ein feste Burg ist unser Gott“.

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Unsere Adventskirche - ein wohnliches Haus

(Von Matthias Röcke)

Jeder Kirchenbau steht für seine Zeit - immer heraus gehoben aus der üblichen Bebauung und deshalb deutlich Zeugnis gebend über das Empfinden und die Möglichkeiten der Bauherren-Generation. Was wollte die Gemeinde im Jahre 1952, was konnte sie erhoffen, was verwirklichen? Sie wollte eine eigene Kirche für Sinzig, die auch Gemeindehaus sein sollte und die sich in Erscheinungsbild und baulichem Aufwand am Stil der Zeit orientierte. Das hieß Sachlichkeit und Bescheidenheit, denn der Wohlstand des „Wirtschaftswunders” und damit das Streben nach völlig Neuem und Modernem stand noch aus. So wurde aus der neuen Kirche ein großes Haus im Stil der Eigenheime jener Zeit, buchstäblich ein Haus Gottes. Keine prächtige, an vergangenen Epochen orientierte Hallenkirche im Kleinformat wie in den Jahrzehnten zuvor üblich, aber auch kein moderner Zentralbau aus Glas und Beton wie bei vielen Kirchenneubauten in den späten fünfziger und in den sechziger Jahren, sondern ein wohnliches Haus im aus dem Alltag vertrauten Maßstab.

Den Bau in der Beethovenstraße dominiert eindeutig das Kirchenschiff und nicht der Turm. Dieser ist sogar ausgesprochen kurz geraten und steht nicht frei, sondern ist in der Tiefe zu etwa zwei Dritteln in die Südseite des Kirchenschiffes integriert. Die Längsseiten des Schiffes messen 17 Meter und sind aufgeteilt in fünf Achsen mit je einem spitzbogigen Doppelfenster. Sie zeigen eine Besonderheit: die Spitzbögen liegen als Füllung in viereckigen Fensteröffnungen, die Bögen sind also nicht ins Mauerwerk eingelassen - mit einer Ausnahme auf der Westseite. Drei schmale säulenartige Vorsprünge unterteilen die ersten vier Achsen. Die fünfte bildet einen effektvollen Abschluss, weil das Dach hier, wie vorn am elf Meter hohen Turm, kürzer ausgeführt ist. Die Kirche ist an der Westseite (Sakristei) schmaler und zeigt so nach außen die Position der Sakristei an, auch durch die deutlich größere Fenstereinheit. Auf der Nordseite ist das Dach an dieser Stelle weiter herunter gezogen und gibt dem Sakristeieingang Wetterschutz. Während das Schiff mit einem steilen Satteldach ausgestattet ist, hat der Turm ein nur leicht geneigtes Zeltdach. Drei Schalllöcher auf der Nord- und Südseite und zwei auf der West- und Ostseite (9,5 Meter lang), jeweils als Spitzbogen ausgeführt, geben dem Turm, zusammen mit dem stattlichen Kreuz, sein Gesicht. Bei aller optischen Bescheidenheit erhält das Gotteshaus optischen Pfiff durch die asymmetrische Giebelform. Auf der Westseite ist sie gefühlvoll aufgelockert durch zwei Fensterreihen von kleinen Spitzbogenfenstern (oben drei, unten fünf), auf der Ostseite herrscht dagegen konsequente Schlichtheit, allein drei schmale, rechteckige Fensteröffnungen zur Nordecke hin bilden einen Akzent. Ein schmaler Streifen von dunklen Bruchsteinen bildet ein optisches Fundament rund um die Kirche, mit Ausnahme des kürzlich neu gestalteten, von einem großzügig bemessenen Spitzbogen geprägten Eingangsbereiches.

Innen entfaltet die Kirche wohnliche, anheimelnde Atmosphäre. Entsprechend den kleinen Vorsprüngen außen sind innen drei Bögen ausgeführt, nicht spitzbogig wie in der Neugotik, sondern in steiler Kurve vom Fenstersims bis unter die Decke. Ein vierter Bogen bildet die Abgrenzung zum Altarraum, wie dieser ganz in Weiß gehalten. Bei der jüngsten Renovierung 2002 wurde der Kirchenraum in sanftem Terrakotta gestrichen. Je nach Lichteinfall kann der Eindruck einer verschieden stark abgetönten Farbgebung entstehen - eine optische Täuschung mit positiver Wirkung. Scheint die Sonne von Süden durch die dezent-bunten Fenster, bewirkt sie eine mehrfache Wiedergabe der schillernden Farben im Kirchenraum - ebenfalls ein schöner Effekt. Das große Holzkreuz hinter dem Holzaltar, die Kanzel aus Holz und die Bänke vervollkommnen die behagliche Harmonie, die der ganze Kirchenraum verströmt. Die Empore an der Ostseite gibt Platz für weitere Gottesdienstbesucher oder den Chor sowie die Orgel. Darunter ist der vom Kirchenraum durch eine Tür abgetrennte Eingangsbereich.

Unsere Adventskirche ist ein harmonischer Bau in den Menschen aus dem Alltag vertrauten Dimensionen - einfach, aber mit Charakter, sie taugt zu einer Liebe auf den zweiten Blick.
Geplant war die Kirche auch als Gemeindesaal. Zu einer solchen Nutzung kam es allerdings nur selten, Gemeindeglieder der ersten Stunde erinnern sich über die lange Zeit bis zum Bau des Gemeindezentrums im Dreifaltigkeitsweg 1976 allerdings nur an eine einzige große Versammlung in der Kirche. Besprechungen gab es jedoch im abgetrennten Vorraum und in der Sakristei. Wegen der geplanten Doppelnutzung war Wert auf Bestuhlung statt Bänke gelegt worden. Erst bei einer großen Umbauaktion 1979 wurde die Bestuhlung durch die heutigen Bänke ersetzt. Damals wurde auch der Altarraum verändert, zwei neue Stufen statt der bis dahin vorhandenen drei angelegt. Jüngste äußerliche Änderung ist das große Kreuz aus Solarzellen auf dem Dach nach Süden.

Geld war und ist immer knapp für eine Gemeinde, das war 1952 nicht anders als heute. Man kann aber davon ausgehen, dass man sieben Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Mark besonders sorgfältig umdrehen musste. Exakt 52.256 DM hat der Kirchenbau gekostet, Entwurf und Bauausführung lag bei Wilhelm Bouhs aus Niederbreisig. Zum Vergleich: eine Arbeitnehmerfamilie stand 1952 ein Durchschnittseinkommen von rund 350 DM im Monat zur Verfügung. Es wurden eifrig Spenden gesammelt, die wichtigste war die Schenkung des Grundstücks durch die Familie Koenigs aus dem Sinziger Schloss.

Wirbel um die Fenster

Über Monate beschäftigte der Kirchenbau das Presbyterium, meist machte man sich Sorgen um die Finanzierung. In einem Fall aber wurde die Gestaltung zum Diskussionspunkt. Heute lässt sich nicht mehr eruieren, wie der von der Kreisverwaltung schon genehmigte Bauplan aussah. Verbrieft ist aber, dass das Presbyterium entsetzt war über die Fensterform und sich deshalb - wahrlich ein kurioser Vorgang - an den Sinziger Bürgermeister Zimmer wandte mit der Bitte um Unterstützung: „Da es auch Ihnen nicht gleichgültig sein kann, welches Gesicht dieser Bau erhält, um sich harmonisch in das Gesamtbild der Stadt einzugliedern (...), halten wir uns verpflichtet, an Sie mit der Bitte heranzutreten, auch an Ihrem Teile dahin zu wirken, daß unser Kompromißvorschlag in der Fenstergestaltung gehört und berücksichtigt werden möchte...” Der Bürgermeister reagierte prompt: „Hier wird nicht eine Kirche erstellt, sondern irgend eine Kultstätte, ein Betraum, wenigstens von außen gesehen.

Die äußeren Formen wurden von der Bevölkerung mit den verschiedensten Gebäuden der Umgebung verglichen, z.B. mit einer Turnhalle, mit der Rheinahr-Glasfabrik, einem Transformatorenhaus, aber niemals mit einer Kirche(....) Wenn ich eine Kirche bestelle, wünsche ich keinen Profanbau weder im Äußeren noch im Innern. Wenn ich mir ein Pferd kaufen will, wünsche ich nicht ein Rind...”
Der Plan wurde, offenbar auf Intervention des Bürgermeisters beim Landrat, geändert. Zu vermuten ist, dass ursprünglich - wahrscheinlich aus Kostengründen - rechteckige Fenster vorgesehen waren (heute noch zu sehen an der Sakristei). Auffällig ist, dass die Fenster bis heute in der Maueröffnung rechteckig ausgeführt sind und die Spitzbögen wie Bausteine als Einsatz eingefügt sind, mit Ausnahme der drei (oberen) Fensteröffnungen auf der Ostseite. Auch von innen lässt sich, insbesondere auf der Empore, die alte rechteckige Fensterform ablesen. Also eine nachträgliche Änderung? Auf einem Plan, der sich im Gemeindearchiv befindet, sind einfache statt doppelter Spitzbogen im Mauerwerk gezeichnet. Ob es sich dabei um einen frühen Entwurf handelt, ist nicht angegeben.

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